Digitales Edieren gestern, heute und morgen. Vorwort

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Daniela Schulz Autor*inneninformationen

Weitere Beteiligte: Torsten Schaßan (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel – Writing – review & editing), Marcus Baumgarten (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel – Writing – review & editing)

DOI: 10.17175/sb007_001

Nachweis im OPAC der Herzog August Bibliothek: 1902705807

Erstveröffentlichung: 30.12.2025

Lizenz: CC BY-SA 4.0, sofern nicht anders angegeben. Creative Commons Deed

Letzte Überprüfung aller Verweise: 18.12.2025

GND-Verschlagwortung: Digitale Edition | Informationsvermittlung | Elektronisches Publizieren | Text Encoding Initiative

Empfohlene Zitierweise: Daniela Schulz: Digitales Edieren gestern, heute und morgen. Vorwort. In: Daniela Schulz / Marcus Baumgarten / Torsten Schaßan (Hg.): Digitales Edieren gestern, heute und morgen (= Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften / Sonderbände, 7). Wolfenbüttel 2025. 30.12.2025. HTML / XML / PDF. DOI: 10.17175/sb007_001


[1]Vor über zwanzig Jahren markierte die Online-Publikation der Briefe von Athanasius Kircher‍[1] durch die Herzog August Bibliothek (HAB) den Beginn der digitalen Editionstätigkeit in Wolfenbüttel. Wenn sich auch die genauen Anfänge und Entwicklungen nur noch schwer im Detail nachvollziehen lassen, so steht jedoch fest: Ein Korpus von 21 lateinischen Briefen wurde damals zur Würdigung des vierhundersten Geburtstages des berühmten Universalgelehrten Athanasius Kircher über das Internet frei zur Verfügung gestellt. Dieser hatte mit dem Gründer der Bibliothek, Herzog August zu Braunschweig und Lüneburg, einen regen Briefwechsel unterhalten. Neben der Bereitstellung bisher unveröffentlichter Briefe ging es bei dieser Internetedition dabei konzeptionell vor allem um die Erprobung der Textauszeichnung nach TEI-XML im bibliothekarischen Kontext und damit insbesondere der Frage nach der Einbindung von Originalquellen und Forschungsliteratur.‍[2]

[2]Was damals als Pionierleistung begann, ist heute zum etablierten Standard geworden – und doch sind die Fragen und Herausforderungen der digitalen Editionspraxis keineswegs weniger geworden. Im Gegenteil: Die rasante technologische Entwicklung, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens, hat in den vergangenen Jahren ganz neue Perspektiven und zugleich Unsicherheiten eröffnet. Gleichsam bleibt man durchaus auch stark Traditionen verhaftet, sodass sich hier ein interessantes Spannungsverhältnis ergibt.

[3]Anlässlich des zwanzigsten Jubiläums dieser frühen Anfängen der Wolfenbütteler Digitalen Bibliothek (WDB) luden die Arbeitsstelle ›Digitale Editionen‹ an der Herzog August Bibliothek und die Task Area ›Editionen‹ des NFDI-Konsortiums Text+ am 25. und 26. September 2023 zur Tagung Digitales Edieren gestern, heute und morgen nach Wolfenbüttel ein. Ziel war eine aktuelle Standortbestimmung, die die bisherigen Entwicklungen miteinbezog und kritisch reflektierte sowie die Formulierung von Perspektiven für die Zukunft. Die über einhundert eingegangenen Anmeldungen belegen das breite und ungebrochene Interesse an diesem Komplex. Aufgrund des beschränkten Platzangebots vor Ort im Meißnerhaus nahmen die meisten Interessierten online teil. Im Tagungsraum und über die digitale Zuschaltung entfaltete sich über zwei Tage hinweg ein intensiver Austausch, gemeinsam wurden die Entwicklungen der vergangenen zwei Jahrzehnte resümiert, gegenwärtige Herausforderungen analysiert und Zukunftsszenarien entworfen. Die insgesamt 12 Präsentationen gehalten von 21 Vortragenden boten ein breites Spektrum an Themen: von grundsätzlichen methodologischen Überlegungen über konkrete technische Lösungsansätze bis hin zu Fragen der Standardisierung, Nachhaltigkeit, Usability und Vermittlung digitaler Editionen.

[4]Der vorliegende Sonderband der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften dokumentiert ausgewählte Beiträge dieser Tagung. Dabei haben wir uns bewusst gegen eine strikte Aufrechterhaltung der ursprünglichen Dreiteilung in ›Gestern‹, ›Heute‹ und ›Morgen‹ entschieden. Die Reihenfolge der Beiträge im vorliegenden Band weicht daher aus logischen und logistischen Gründen von der Abfolge der gehaltenen Vorträge ab.‍[3] Wie sich bereits während der Tagung zeigte und wie Kian Pontes Trabula in seinem Tagungsbericht auch treffend bemerkt,‍[4] adressierten die meisten Vorträge mehrere dieser zeitlichen Dimensionen zugleich. Die Vergangenheit digitaler Editionen ist ohne den Blick auf gegenwärtige Auffassungen von Nachhaltigkeit nicht zu verstehen; aktuelle Herausforderungen lassen sich nur aus ihrer Entstehungsgeschichte heraus bewerten; und die Zukunft wird bereits heute durch methodische und technische Entscheidungen gestaltet – bleibt für uns aber doch wenig vorhersehbar.

[5]Die Herausgabe dieses Bandes hat sich – nicht zuletzt durch die außerordentlich dynamischen Entwicklungen im Bereich der KI-gestützten Werkzeuge und Methoden – verzögert. Mehrere Beitragende sahen sich veranlasst, ihre Texte angesichts der rasanten technologischen Veränderungen seit 2023 zu überarbeiten oder zu erweitern. Für diese Verzögerung möchten wir als Herausgebende um Verständnis bitten. Zugleich erscheint uns gerade diese zeitliche Distanz zur Tagung als produktiv, erlaubt sie es doch, dort diskutierte Ansätze und Prognosen bereits an ersten praktischen Erfahrungen zu messen und kritisch zu reflektieren.

[6]Die Veröffentlichung der Artikel erfolgt im Rolling-Release-Verfahren, das heißt, die einzelnen Beiträge werden nach Abschluss von internem Review und Redaktionsgang sukzessive publiziert. Damit folgen wir dem Anspruch einer zeitnahen Verfügbarmachung wissenschaftlicher Erkenntnisse, der für die digitalen Geisteswissenschaften von besonderer Bedeutung ist. Zunächst erscheinen gemeinsam mit dieser kurzen Einführung die folgenden drei Fachartikel:

[7]Unser Dank gilt allen, die zum Gelingen der Tagung und dieses Bandes beigetragen haben: den Vortragenden und Beitragenden für ihr Engagement und ihre Geduld; der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, die die Tagung aus eigenen Mitteln finanziert hat, unseren Kolleginnen und Kollegen, die uns unterstützt haben – hier insbesondere Volker Bauer (Leiter der Abteilung Stipendienprogramme und wissenschaftliche Veranstaltungen) und Uta Rohrig für die Hilfe bei der Organisation, der Stabsstelle EDV für die reibungslose technische Betreuung der hybriden Veranstaltung, der Stabstelle Presse für deren mediale Begleitung; der Task Area ›Editionen‹ des NFDI-Konsortium Text+, mit der die Tagung gemeinsam organisiert wurde; allen Teilnehmenden im Raum und online für die rege Diskussion und die vielen anregenden Fragen; und nicht zuletzt der Redaktion der ZfdG, insbesondere Caroline Jansky und Nachfolger*innen, für die hervorragende Unterstützung bei der Vorbereitung dieses Sonderbandes.

[8]Als Organisator:innen und Herausgebende hoffen wir, dass auch die hier versammelten Texte etwas von der produktiven Atmosphäre des gemeinsamen Nachdenkens über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft digitaler Editionen vermitteln können.

[9]Wolfenbüttel, im September 2025: Daniela Schulz, Torsten Schaßan, Marcus Baumgarten


Fußnoten

  • [1]
  • [2]
    Details zu Korpus und technischer Umsetzung enthält die Ausarbeitung Die Lateinischen Briefe Athanasius Kirchers an Herzog August Herzog d. J. zu Braunschweig und Lüneburg (1579–1666) – eine Internetedition von Thomas Stäcker (Stäcker o. D.). Anlässlich des 400. Geburtstages Kirchers fand zwischen März und Juli 2002 in den Räumlichkeiten der Bibliothek und online auch eine Ausstellung zum Thema statt. Deren ebenfalls von Thomas Stäcker umgesetzte Internetpräsentation ist heute noch zugänglich.
  • [3]
    Das Programm der Tagung ist auf der Webseite der HAB sowie auf der Veranstaltungseite einsehbar; dort finden sich auch die Abstracts der gehaltenen Vorträge.
  • [4]
    Vgl. Trabula 2023, S. 242.

Bibliografische Angaben

  • Thomas Stäcker (Hg.): Athanasius Kircher an Herzog August den Jüngeren. Lateinische Briefe der Jahre 1650-1666 aus den Sammlungen der Herzog August Bibliothek. Wolfenbüttel - Transkription und Übersetzung. Wolfenbüttel 2003. Letzte Aktualisierung: 03.12.2018. HTML. [online]
  • Thomas Stäcker: Die Lateinischen Briefe Athanasius Kirchers an Herzog August Herzog d. J. zu Braunschweig und Lüneburg (1579–1666) – eine Internetedition. Wolfenbüttel o. D. PDF. [online]
  • Kian Pontes Trabula: Digitales Edieren gestern, heute und morgen. Tagung an der Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel, 25./26. September 2023. In: editio 38 (2024), S. 239–244. HTML / PDF. DOI: 10.1515/editio-2024-0016