Call for Papers | Weder Fail noch Lobgesang: Nichteindeutige Wertung von Literatur im digitalen Raum

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1.0

Herausgegeben von Berenike Herrmann und Maria Kraxenberger

!! VERLÄNGERT BIS 15. MAI 2023 !!

Ziel des geplanten Sonderbands der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften, der aus einem Panel des 27. Germanistentags hervorgeht, ist es, anhand verschiedener Zugänge und konkreter Fallbeispiele das Phänomen der nichteindeutigen literarischen Wertung unter den Vorzeichen der digitalen Transformation näher zu beleuchten.

Themenkomplex

Millionen von Wreader*innen bewerten Literatur heute mit einer Vielzahl digitaler Apps und Internetplattformen. Die Bandbreite reicht von der Vergabe von Sternen und Likes über ausführliche Rezensionen bis zu den Weiter- und Umschreibungspraktiken der Fan Fiction.

Der digitale Raum eröffnet hier eine neue Art von Wertungspraxis abseits der Prämissen einer professionellen Literaturkritik. Gerade nichteindeutige Wertungshandlungen, die eine Mittelposition zwischen den evaluativen Polen einnehmen, erlauben hier ein differenziertes Abwägen von Schwächen und Stärken des bewerteten Textes und ermöglichen gleichzeitig die Exploration des Wertungsvorgangs selbst. Beispiele für nichteindeutige Wertungshandlungen sind die Verwendung ordinaler Mittelpositionen (›drei von fünf Sternen‹), ambivalente Besprechungen, die sowohl positive als auch negative Aspekte eines Werks nebeneinanderstellen, oder die transformative Praxis der Fan Fiction, die ausgewählte Aspekte von Quelltexten aufgreift und weiterverwendet, andere hingegen nicht berücksichtigt. Eher unscharfe Mittelpositionen eröffnen mit Unsicherheit und Ambivalenz interessante Analysedimensionen. Außerdem bedeutet Wertung immer auch Referenznahme: Welche Rolle spielen also Praktiken des Vergleichens bei den nichteindeutigen Wertungen? Im digitalen Raum rücken zudem sowohl die Expertise der Wreader*innen als auch die medialen Bedingungen von Literatur-Plattformen wie Wattpad, Goodreads und anderen Social Media wie TikTok und YouTube in den Blick.

Zentral scheinen hier sowohl die zugrundeliegenden Axiome auf inhaltlicher, formaler und wirkungsbezogener Wertungsebene und deren sprachliche Äußerung, als auch Aspekte des sozialen Handelns und der Medialität der Bewertungspraktiken – etwa die soziale Funktion der zumeist peer-gestützten Wreader*innen-Communities und die digitale Materialität der Plattformen.

Mögliche Beitragsthemen sind:

  • (vergleichende) Analyse nichteindeutiger Wertung(sformen) auf ausgewählten Wreading- oder Rezensionsplattformen
  • Verwendete (sprachliche, semiotische, Bild-, etc.) Zeichen nichteindeutiger Wertungshandlungen
  • Maßstäbe, Referenzrahmen und Manifestationen nichteindeutiger Wertungspraktiken
  • Nichteindeutige Wertungspraktiken im historischen Vergleich
  • Nichteindeutiges Werten und soziale Wertungspraktiken im digitalen Raum
  • Nichteindeutige Wertung als Partizipationsmöglichkeit am Diskurs über Literatur
  • Die Beziehung von Unsicherheit und Nichteindeutigkeit literarischer Wertung
  • Medialität von nichteindeutigen Bewertungspraktiken im digitalen Raum

Aufbau des Sonderbands

Besonderer Fokus liegt auf Untersuchungen aus dem Bereich der Digital Humanities, die sich computergestützter Methoden bedienen. Beiträge können in deutscher oder in englischer Sprache verfasst werden.

Geplanter Publikationsort ist die Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften; angenommene Beiträge sollen als digitaler Sonderband unter Open-Access-Bedingungen publiziert und im Open [Public] Peer Review (nach Veröffentlichung) begutachtet werden.

Beiträge können in folgenden Kategorien eingereicht werden:

Long Papers

  • Beiträge zu theoretischen und methodischen Fragestellungen sowie kritische Debatten zu Erkenntnishorizonten des beschriebenen Themenkomplexes im Kontext der Digital Humanities
  • stellen Forschungsergebnisse oder Vorhaben ausführlich vor und zur Diskussion oder behandeln übergeordnete Fragestellungen
  • Umfang: 5.000 bis 10.000 Wörter

Projektvorstellungen

  • stellen konkrete Projekte zum Themenkomplex vor und zur Diskussion und ordnen sie in den Forschungskontext ein
  • Umfang: 2.000 bis 5.000 Wörter

Data Papers

  • begleiten die Publikation von Forschungsdaten zum Themenkomplex, die entweder im Forschungsdatenrepositorium der Herzog August Bibliothek / des MWW oder extern (unter Beachtung der FAIR-Prinzipien) veröffentlicht werden
  • stellen die den Forschungsdaten zugrundeliegenden Fragestellungen, Erhebungsmethoden sowie potenzielle Nutzungshorizonte und deren Grenzen ausführlich dar und ordnen sie in den Forschungskontext ein
  • Umfang: bis 10.000 Wörter

Einreichung und Zeitplan

Wir bitten um Einsendung von Beitragsvorschlägen (ca. 500 Wörter) bis zum 15. Mai 2023 an Berenike Herrmann (berenike.herrmann@uni-bielefeld.de) und Maria Kraxenberger (maria.kraxenberger@ilw.uni-stuttgart.de). Termin für die Abgabe von Beiträgen ist der 02.07.2023.