Weitere Beteiligte: Jörn Münkner (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel – Conceptualization | Investigation | Methodology | Project administration), Katrin Schmidt (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel – Conceptualization | Data curation | Investigation), Katrin Schmidt (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel – Data curation), Ulrike Gleixner (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel – Funding acquisition | Project administration | Supervision)
DOI: 10.17175/2026_001
Nachweis im OPAC der Herzog August Bibliothek: 1933902264
Erstveröffentlichung: 30.01.2026
Letzte Überprüfung aller Verweise: 11.09.2025
GND-Verschlagwortung: Sammlung | Lakemacher, Johann Gottfried | Auktion | Optische Zeichenerkennung | Text Mining | Metadaten
Empfohlene Zitierweise: Maximilian Görmar: Frühmoderne Ökonomien des Sammelns und ihre digitale Erforschung – Die Professorenbibliothek Johann Gottfried Lakemachers (1695–1736) als Fallbeispiel. In: Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften 11 (2026). 30.01.2026. HTML / XML / PDF. DOI: 10.17175/2026_001
Abstract
Auktionskataloge sind wichtige Quellen für die historische Sammlungsforschung. Der Aufsatz unterstreicht dies durch eine digitale Analyse des Katalogs zur Versteigerung der Bibliothek Johann Gottfried Lakemachers von 1737. Das in der Herzog August Bibliothek erhaltene Katalogexemplar gibt nicht nur Einblicke in den Inhalt von Lakemachers Bibliothek, sondern auch in die Namen der Käufer und die Preise der Bücher. Mit Hilfe von methodischen Ansätzen aus den Bereichen natural language processing, data mining und distant reading werden die Interessen des Sammlers, der als typischer Gelehrter seiner Zeit gelten kann, und die sozio-ökonomischen Dynamiken sowie Netzwerke bei frühneuzeitlichen Buchauktionen exemplarisch untersucht.
Auction catalogues are important sources for the study of historical collections. This article emphasises this point by way of a digital analysis of the catalogue compiled for the auction of Johann Gottfried Lakemacher’s library in 1737. The catalogue preserved at the Herzog August Library gives not only insights into the contents of Lakemacher’s library, but also into who bought his books for what price. By using approaches from natural language processing, data mining and distant reading to analyse the data from the catalogue, the article gives new insights into the interests of the collector, who can be regarded as typical for the philological scholarship of his time, and the socio-economic dynamics and networks of early modern book auctions.
1. Einleitung und Problemstellung
[1]Bücherverzeichnisse und Kataloge von Privatbibliotheken seien »ein brauchbares Mittel literarhistorischer ›Psychoanalyse‹«[1], schrieb 1926 Hermann Meyer, der Gründer der Soncino-Gesellschaft der Freunde des Jüdischen Buches. In ihnen seien »die Urquellen« greifbar, »aus denen das geistige Leben [eines Büchersammlers oder einer -sammlerin, MG] geflossen ist«.[2] Das war vielleicht nie und ist keinesfalls Konsens. Zu verschiedenartig sind die Fragestellungen und theoretischen Annahmen, zu anders die methodischen und technischen Zugriffe, die die gegenwärtige Sammlungsforschung prägen.[3] Dennoch ist auch in ihr eine enge Verbindung zwischen Sammlungen und Sammlungsobjekten einerseits sowie Sammelnden, Sammlungsnutzer*innen und ihrem ›geistigen Leben‹ andererseits erkennbar.[4] Nur werden Sammlung und Geist eben nicht mehr miteinander kurzgeschlossen, sondern mittelbar zueinander in Beziehung gesetzt: indem Sammlungen als Netzwerke bzw. Knotenpunkte verstanden werden, in deren Verflechtungsstrukturen sich spezifische Praktiken entfalten, die Rückschlüsse auf Vorstellungen, Interessen und Wissensbestände der Sammelnden erlauben.[5]
[2]Diese Netzwerkperspektive lag auch dem Projekt Intellektuelle Netzwerke. Frühneuzeitliche Gelehrtenbibliotheken als Wissens-und Kommunikationsräume im Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) zugrunde, das sich zwischen 2019 und 2024 an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) schwerpunktmäßig mit dem Mathematiker und Architekturtheoretiker Leonhard Christoph Sturm (1669–1719) sowie dem Helmstedter Gräzisten und Orientalisten Johann Gottfried Lakemacher (1695–1736) und ihren Büchersammlungen auseinandersetzte. Während Sturm, seine Bibliothek und die Netzwerke, in denen er agierte, bereits verschiedentlich analysiert wurden,[6] steht eine entsprechende Auswertung der Daten zu Lakemacher noch aus. Er steht daher im Folgenden im Fokus.
[3]Als Hauptquelle für die Untersuchung dient der Auktionskatalog der 1737 versteigerten Bibliothek Lakemachers, der digital erfasst, angereichert und kontextualisiert wurde.[7] Da es sich bei dem Wolfenbütteler Exemplar des Katalogs um ein sogenanntes durchschossenes Buch handelt, in dem auf eingebundenen Leerseiten zu den versteigerten Titeln jeweils Käufer und Preise notiert sind (vgl. Abbildung 1), gehen sein Informationsgehalt und Quellenwert deutlich über die normale Druckausgabe hinaus.[8] Das erlaubt es nicht nur, wie im Falle Sturms,[9] das Wissensnetz nachzuzeichnen, das durch die Bücher in Lakemachers Bibliothek und seine eigenen Publikationen gebildet wurde, sondern auch soziale und ökonomische Netzwerke und Strukturen zu rekonstruieren, in denen die Auktion, die versteigerte Sammlung und der Sammler selbst als Knotenpunkte eingebunden waren.[10] Das Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, eine explorative digitale Auswertung der erhobenen Daten vorzunehmen, auf deren Basis erste Ergebnisse und weitere Fragestellungen für die Erforschung der intellektuellen und sammlungsökonomischen Verflechtungen Lakemachers formuliert werden können. Gleichzeitig soll das Fallbeispiel Lakemacher die Potentiale und Grenzen des Einsatzes digitaler Werkzeuge in der historischen Sammlungsforschung verdeutlichen.
[4]Die Analyse erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst werden Auktionskataloge als Quellengattung für die Sammlungsforschung vorgestellt. Anschließend diskutiere ich den Lakemacherschen Katalog, seinen Quellenwert, seine digitale Aufbereitung und Erschließung sowie die sich daraus ergebenden Limitationen. Schließlich werden die Methoden thematisiert, die die inhaltliche Auswertung bestimmen. Diese wird sich auf drei Schwerpunkte konzentrieren, nämlich den Inhalt der Bibliothek, den Wert bzw. Preis der Bücher und mögliche wertsteigernde Merkmale sowie die Käufer und ihr Kaufverhalten. In einem Ausblick formuliere ich schließlich weiterführende Fragen mit Blick auf die Itinerare der Bücher Lakemachers und die an seine Sammlung anschließenden Netzwerke.
2. Quellen, Daten, Methode
2.1 Auktionskataloge als Quellen der Sammlungsforschung
[5]Auktionskataloge wie der zu Lakemachers Bibliothek stellen zusammen mit anderen Objektlisten (z. B. Nachlassverzeichnissen, Inventaren etc.) eine der wichtigsten Quellengattungen der historischen Sammlungs- und Bibliotheksforschung dar. Sie geben Auskunft über die Objekte in einer Sammlung zu einem bestimmten Zeitpunkt, oft auch über ihre interne Ordnung, sowohl im räumlichen als auch im epistemischen Sinne.[11] Darüber hinaus verweisen sie mit ihrer spezifischen medialen Struktur auf konkrete Praktiken, die sie ermöglichen oder anregen, auf die Akteure und Institutionen, die in diese Praktiken eingebunden sind, sowie auf Sammlungs- und Wissensökonomien, und das in einem durchaus materiellen Sinne.[12] Sie enthalten mit anderen Worten Daten und Metadaten über Objekte und dienen dem zweckgerichteten, rationellen Umgang mit den Daten und den Objekten auf die diese verweisen.[13] Sie binden Sammlungen und ihre Objekte damit auf unterschiedlichen Ebenen in Netzwerke ein, seien sie sozialer, ökonomischer oder epistemischer Natur.[14]
[6]Aufgrund ihrer medialen Listenstruktur lassen sich Auktionskataloge auf einer konzeptionellen und technischen Ebene recht einfach in digitale Datenmodelle überführen. Dadurch können quantitative Statistiken oder Netzwerkanalysen auf ihrer Basis leicht durchgeführt werden,[15] wiewohl sie Forschende vor quellenkritische Herausforderungen stellen.[16] So können die Listen beispielsweise unvollständig oder fehlerhaft sein, was im Zweifelsfall bibliografische Recherchen nötig macht, um die einzelnen Objekte zu verifizieren. Überhaupt ist die digitale Aufbereitung der oft hunderte oder gar tausende Titel umfassenden Listen mit einem relativ großen Arbeitsaufwand verbunden, der sich nur zum Teil automatisieren lässt.[17] Ferner konnte es vorkommen, dass die Buchhändler, die oft Buchauktionen durchführten, schwer verkäufliche Titel aus ihren eigenen Beständen in die Auktionsmasse einreihten. Außerdem stellen Auktionskataloge und andere Objektlisten in der Regel Momentaufnahmen dar, die nicht unbedingt den Zustand der Sammlung zu Lebzeiten der Sammlerin oder des Sammlers widerspiegeln. Es ist also stets vonnöten, den Entstehungskontext eines Auktionskatalogs so genau wie möglich zu eruieren, um seinen Quellenwert einschätzen zu können.
2.2 Der Lakemacherkatalog und seine digitale Bearbeitung
[7]Beim Lakemacherkatalog handelt es sich um einen von ca. 1700 Auktionskatalogen aus dem Bestand der HAB, die hauptsächlich zwischen 1650 und 1870 erschienen sind (vgl. Abbildung 2). Wenigstens 74 Verzeichnisse stammen aus Helmstedt, wo auch Lakemachers Katalog erschien. Diese Helmstedter Kataloge wurden zwischen 1679 und 1853 publiziert; ein klarer Höhepunkt der Publikationshäufigkeit lässt sich in den 1740er und 1750er Jahren ausmachen (vgl. Abbildung 3).[18] Dieser Höhepunkt fällt mit dem beginnenden Niedergang der Helmstedter Universität zusammen: Letzterer setzte mit der Gründung der Universität Göttingen 1737 ein, wurde durch die Gründung des Collegium Carolinum in Braunschweig 1745 noch verschärft und endete schließlich mit der Schließung der Academia Julia im napoleonischen Königreich Westfalen 1810.[19] Die im 18. Jahrhundert neugegründeten akademischen Institutionen warben einen großen Teil der potentiellen Helmstedter Studenten ab, sodass hier die Immatrikulationszahlen stetig sanken und die Universität immer mehr an Bedeutung verlor.[20] Aus ihrem Umfeld stammten aber die allermeisten versteigerten Bibliotheken, handelte es sich doch bis 1810 im Wesentlichen um Professorenbibliotheken,[21] sodass die Frequenz der Versteigerungen grob auch mit den Generationswechseln innerhalb der Professorenschaft korrespondierte.
[8]Zu den Professorenbibliotheken zählte auch die Büchersammlung Lakemachers. Er war in Helmstedt 1724 zum Professor für Griechisch, 1727 zusätzlich für orientalische Sprachen ernannt worden.[22] Als Student und Gelehrter erfreute er sich der Förderung und des Unterrichts durch wichtige Vertreter der Frühaufklärung, etwa in Halle Christian Wolffs (1679–1754), in Helmstedt Hermann von der Hardts (1660–1746). Er selbst war zu Lebzeiten als Arabist, Hebraist und Gräzist ein geachtetes Mitglied der Gelehrtenrepublik, wenn er auch stets in der zweiten Reihe stand.[23] Die Nachwelt dagegen war wenig gnädig mit seinem Werk. Es veraltete schnell, wurde nur selten zitiert und galt im 19. Jahrhundert als typisches Beispiel für die überbordende, aber unkritische Gelehrsamkeit des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts.[24] Lakemacher zeigte sich in der Tat sowohl in seinen Publikationen als auch in der Zusammensetzung seiner Bibliothek, wie wir noch sehen werden, als typischer Vertreter des Polyhistorismus seiner Zeit, wenn er auch beeinflusst durch seine akademischen Lehrer aufklärerische Züge aufweist.[25] Damit eignet er sich aber, wie Asaph Ben-Tov festgestellt hat, besonders für die historische Analyse: »Lakemacher […] presents the historian with an ideal ›secondary thinker‹ – an intelligent and creative witness to the broader trends of his day, while at the same time typical enough to be instructive.«[26]
[9]Ähnliches kann man von seiner Bibliothek sagen.[27] Auch sie war im Vergleich zu anderen Gelehrtenbibliotheken, die mitunter 10.000 und mehr Bände umfassen konnten,[28] mit 3.101 Auktionslosnummern[29] nicht unbedingt eine der größten ihrer Zeit, aber groß genug, um einen repräsentativen Teil der zeitgenössischen gelehrten Literatur abzubilden, vor allem in den Feldern, auf denen Lakemacher tätig war. Seine Büchersammlung und der zugehörige Katalog sind damit instruktiv genug, um eine Untersuchung zu rechtfertigen, zumal letzterer, wie erwähnt, Zusatzinformationen in Form von Käufernamen und Preisangaben enthält. Auf diesen Angaben lag bei der Transkription und digitalen Aufbereitung des Katalogs das Hauptaugenmerk. Auf eine tiefergehende bibliografische Erschließung der Titel wurde verzichtet, weil die Angaben genau genug sind, um eine Identifizierung der Drucke zu ermöglichen und sie auszuwerten. Wichtiger erschien es, auch unter arbeitsökonomischen Gesichtspunkten, die deutlich schwerer zu ermittelnden Käufer von Lakemachers Büchern zu identifizieren und mit biographischen Normdaten zu verknüpfen.
[10]Dabei wurde folgendermaßen verfahren: Zunächst wurde der Katalog transkribiert,
wobei die gedruckten Seiten mit Transkribus bearbeitet, die handschriftlichen Käufer-und
Preisangaben direkt händisch erfasst wurden. Nachdem die Daten in eine Tabelle
überführt waren, wurde aus dieser mit Hilfe von OpenRefine eine TEI-konforme XML-Datei erstellt.[30] Eine zweite XML-Datei enthält die Daten zu den
Käufern.[31] Sie umfassen, soweit ermittelbar, Verlinkungen auf
die GND, Angaben zum Aufenthaltsort und
zum Beruf bzw. Stand zum Zeitpunkt der Auktion (14. Januar 1737)[32] sowie
Lebensdaten, Geburts-und Sterbeort. Ein <note>-Element
enthält zudem weitere biographische Angaben als Freitext. Als hauptsächliche
Quellen für diese Informationen dienten neben der GND die als Datenbanken
vorliegenden Matrikelverzeichnisse und der Professorenkatalog der Universität
Helmstedt.[33] Die Orte sind jeweils mit
GeoNames verlinkt, sodass die
Daten auch kartographisch ausgewertet werden können. War eine
Personenidentifikation nicht eindeutig möglich, wurden mehrere mögliche Kandidaten
aufgenommen. In zwei Fällen konnte gar keine Identifizierung vorgenommen werden.
Die prosopografischen Auswertungen weiter unten sind dementsprechend mit gewissen
Unsicherheiten behaftet.
2.3 Methoden
[11]Entsprechend den Analyseschwerpunkten geht der vorliegende Beitrag multiperspektivisch vor und bedient sich verschiedener digitaler Methoden, um den Lakemacherkatalog möglichst facettenreich zum Sprechen zu bringen. Die angewendeten Methoden seien kurz erläutert.
[12]Zunächst wird der Inhalt der Bibliothek beschrieben und analysiert, inwieweit dieser Rückschlüsse auf den Wissenshorizont des Sammlers Lakemacher erlaubt. Dieser Überblick kann sich nur eingeschränkt auf die zeitgenössische Kategorisierung stützen, die größtenteils nach Buchformaten, nicht nach Sachgruppen erfolgte. Er muss für detaillierte Aussagen auf die relativ unstrukturierten Transkriptionsdaten der Buchtitel zurückgreifen.[34] Doch bieten hier text mining, distant reading und natural language processing (NLP) die Möglichkeit, thematische Schwerpunkte, die Sprachen der Bücher bzw. Buchtitel und genannte Autoren zu extrahieren und zu annotieren.[35] Dies geschah sowohl mittels Programmskripten in Python, die spezialisierte Bibliotheken zur Sprachverarbeitung und Datenauswertung sowie -visualisierung nutzen,[36] als auch teilautomatisiert direkt im XML-Code. Für letzteres wurde die Suchen-und-Ersetzen-Funktion im Oxygen XML Editor genutzt, um häufig vorkommende Personennamen (z. B. Aristoteles, Cicero und andere Klassiker) als Zeichenketten oder klar erkennbare Muster für Personennamen durch reguläre Ausdrücke zu finden und zu annotieren (z. B. »S. F. Hahni«, also zwei abgekürzte Vornamen gefolgt von einem ausgeschriebenen Familiennamen, hier mit lateinischem Genitiv).[37]
[13]Diese Methoden lassen sich auch zur Ermittlung und Auswertung von Metadaten und äußerlichen Merkmalen der verkauften Bücher nutzen. So ist es aufgrund der relativ einheitlichen Struktur der Katalogeinträge möglich, mittels regulärer Ausdrücke Angaben zu Druckorten und -jahren sowie zum Teil auch zu den Einbänden, also zur Materialität der Bücher zu extrahieren bzw. zu annotieren.[38] Diese Angaben können zu den Preisen in Beziehung gesetzt werden, um mögliche Auswirkungen dieser Merkmale auf den Wert der Bücher und die Preisbildung bei der Auktion zu eruieren. Dazu wurden die Preise, die zeitüblich in Pfennigen, Groschen und Reichstalern angegeben sind, durchgängig nach dem Leipziger Münzfuß von 1690 in Reichstaler umgerechnet.[39]
[14]Die so umgerechneten Preise lassen sich auf der Käuferebene mit den erfassten prosopografischen Daten in Beziehung setzen. Grundlage der prosopografischen Methode ist die strukturierte und standardisierte Sammlung von Personendaten, die es erlaubt, »Strukturen, (Personen)Netze [sic!], Karrieren usw. innerhalb einer bestimmten Personengruppe zu ermitteln und zu analysieren.«[40] Trotz der oben schon angeklungenen quellenbedingten Unsicherheiten ist die Prosopografie der Auktionsbeteiligten damit der zentrale methodische Zugang, nicht nur um die soziökonomische Struktur des Käuferkreises zu charakterisieren, sondern auch um das Kaufverhalten der Auktionsbeteiligten in einen größeren Kontext zu stellen. Dieser Kontext schließt die intellektuellen und sammlungsökonomischen Praktiken und Netzwerke ein, die im Rahmen des vorliegenden Beitrags nur angedeutet, aber noch nicht erschöpfend analysiert werden können.
3. Ergebnisse
3.1 Literarhistorische Psychoanalyse? Der Inhalt der Bibliothek
[15]»Historische Verkaufskataloge«, schreibt Jörn Münkner, »gleichen Fernrohren, die Buchbestände vor das Auge ziehen, deren physische Existenz zum Teil weit zurückliegt. Die Kataloge […] sind die Quellen, die begründete Vermutungen über die Lese-und Forschungsinteressen, die Arbeitsweisen, Leidenschaften und möglichen Netzwerke der ehemaligen Bibliotheksbesitzer zulassen.«[41] Das ist auf den ersten Blick nicht allzu weit entfernt von Hermann Meyers eingangs zitierter Einschätzung.[42] Also doch »literarhistorische Psychoanalyse«? Nein, in Lakemachers Psyche können wir nur sehr bedingt durch das Katalogfernrohr schauen. Der Kataloginhalt projiziert »nicht einfach die inneren Denkvorgänge nach aussen«, ist »kein ausgelagertes cerebrales Repositorium«.[43] Dennoch hat der Katalog zu Lakemachers Sammlung einen Aussagewert, lässt, wie Münkner richtig feststellt, begründete Vermutungen über den Sammler und seine Interessen zu. Aber welche?
[16]Insgesamt umfasst der Katalog 49 Abschnitte mit 2826 Einträgen und 3101 Losnummern. Mehrbändige Werke wurden dabei nicht mit einer Losnummer, sondern mit mehreren versehen, aber zu einem Eintrag zusammengefasst.[44] Die Losnummern dürften dementsprechend für Bände stehen – außer im Fall der Dissertationen und zweier Anhänge, die einerseits auch andere Objekte als Bücher andererseits ganze Bündel ungebundener Exemplare von Werken Lakemachers umfassten. Die Dissertationen wiederum waren in 39 Sammelbänden zusammengefasst. Jede Losnummer steht in ihrem Fall für jeweils eine Dissertation. Alles in allem dürfte sich die Auktionsmasse von Lakemachers Bibliothek damit auf wenigstens 1872 Bände und 23 andere Objekte belaufen haben. Die folgende Tabelle schlüsselt nach der so im Katalog selbst vorgenommenen, weitgehend nach Formaten erfolgten Kategorisierung die Einträge und die Losnummern pro Kategorie auf:
| Kategorie | Einträge | Losnummern |
| In Folio | 155 | 171 |
| In Quarto | 343 | 363 |
| In Octavo | 707 | 806 |
| In Duodecimo | 184 | 194 |
| Dissertationes (39 Sammelbände) | 1142 | 1153 |
| Libri Rabbinici, Et Ad Philologiam Sacram, Et Antiquitates Iudaicas Pertinentes. In Folio | 33 | 48 |
| Libri Rabbinici… In Quarto | 85 | 89 |
| Libri Rabbinici… In Octavo | 47 | 52 |
| Libri Rabbinici… In Duodecimo | 15 | 18 |
| Appendix Curiosorum, Ad Antiquitates Iudaicas Spectantium | 23 | 23 |
| Miscellanea Et Incompacta Cum Libris Omissis | 92 | 92 |
| Gesamt | 2826 | 3101 |
[17]Die Aufstellung zeigt bereits, dass die Bibliothek Lakemachers drei größere Gruppen aufweist, deren Einteilung möglicherweise noch auf ihn selbst zurückging. Die erste Gruppe sind die nach Formaten aufgeführten Bücher vermischten Inhalts. Auf sie dürfte inhaltlich zutreffen, was in der Vorrede des Auktionskatalogs über das thematische Spektrum der Bibliothek insgesamt steht: »Was jedoch den Inhalt [der Bibliothek] anbelangt, sind die Bücher zum größten Teil philologische; beigemischt sind jedoch auch andere, die zur Philosophie, Theologie und anderen Disziplinen gehören.«[45] Auch die Dissertationen als zweitgrößte Gruppe waren laut Vorrede hauptsächlich philologischen Inhalts und so exquisit, dass es wohl wenige Bibliotheken gab, die Lakemachers hierin übertrafen.[46] Da Dissertationen zeitgenössisch durchaus geschätzt wurden,[47] dürfte der Verkauf von Lakemachers Bibliothek durch den Hinweis auf sie sicher zusätzliche Beachtung gefunden haben, zumal die »grosse Anzahl auserlesener Academischer Abhandlungen«[48] auch in der Ankündigung zur Auktion von Lakemachers Bibliothek in den Niedersächsischen Nachrichten von gelehrten neuen Sachen hervorgehoben wurde. Hier wurde auch auf die »fast vollständige Sammlung zu den Jüdischen Alterthümern gehörender Sachen«[49] hingewiesen, also auf die letzte und einzig thematisch ausgewiesene Kategorie im Lakemacherkatalog, die »Libri Rabbinici Et Ad Philologiam Sacram, Et Antiquitates Iudaicas Pertinentes«, die durch Objekte, die ebenfalls den jüdischen Altertümern zugehörten, ergänzt wurde. Die Auktionsankündigung in den Niedersächsischen Nachrichten erwähnt noch zwei weitere Spezifika der Lakemacherschen Bibliothek, nämlich dass sie »die schönsten Ausgaben der hebräischen, griechischen und lateinischen Scribenten« und »die nutzbarsten neue[n] philologische[n] Wercke« enthielt.[50]
[18]Aus diesen Zitaten ergeben sich Hypothesen über den Inhalt, die Sprachen, die Art der Ausgaben und die Aktualität der Lakemacherschen Bücher. Zu erwarten sind zum größten Teil Werke und Autoren, die der Klassischen oder der biblischen Philologie (inklusive Hebraistik) zuzurechnen sind. Hinzukommen kleinere Bestände von Titeln zur Philosophie und Theologie und anderen Wissensgebieten. Latein, Griechisch und Hebräisch werden als Sprachen vermutlich dominieren, außerdem werden sich »schöne«, also sowohl inhaltlich als auch drucktechnisch hochwertige Ausgaben finden. Darüber hinaus sollen zumindest die philologischen Bücher aktuell und nicht veraltet sein, ein Indiz dafür, dass Lakemacher die gelehrten Diskurse seiner Zeit aufmerksam und aktiv verfolgte. Lassen sich diese Hypothesen anhand der erhobenen Daten bestätigen oder dienten die entsprechenden Behauptungen in den Quellen nur zu Werbezwecken?
[19]Zunächst zur Frage der Aktualität: Ein relativ leicht zu ermittelnder Indikator
hierfür sind die Erscheinungsjahre der Bücher. Da sie, sofern angegeben, aus vier
arabischen Ziffern bestehen, lassen sie sich mit dem regulären Ausdruck
/d/d/d/d ohne Probleme extrahieren bzw. annotieren. Lediglich
einige Jahreszahlen, die in Buchtiteln vorkommen, aber nicht das Erscheinungsjahr
repräsentieren, mussten im Anschluss aus den Daten getilgt werden. Die Verteilung
der Erscheinungsjahre ist aus dem untenstehenden Diagramm zu ersehen (vgl.
Abbildung 4).
[20]In der Tat erkennt man, dass ein großer Teil der Bücher nach 1700 erschien, also zu der Zeit relativ aktuell war, als Lakemacher als Professor aktiv war. Recht viele Titel wurden zwischen 1650 und 1700 publiziert, deutlich weniger davor. Allerdings verfügte Lakemacher immer noch über eine stattliche Anzahl von Drucken aus dem 16. Jahrhundert und sogar einige Inkunabeln. Ob vor allem letztere, so wie heute, aufgrund ihrer Seltenheit bereits zu Lakemachers Zeit als wertvoll galten und höhere Preise als andere Bücher auf der Auktion erzielten, ist weiter unten zu eruieren. Problematisch an den Jahresangaben ist, dass nur 1877 Angaben bei 2826 Einträgen vorliegen (wobei ein Eintrag auch mehrere Jahre enthalten kann, wenn es sich um einen Sammelband handelt). Die Dissertationen sind nur in 25 Fällen datiert. Allerdings dürften auch sie, folgt man den Autorennamen, größtenteils aus dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert und oft aus dem Helmstedter Umfeld stammen.[51]
[21]Die Aktualität der gelehrten Bücher bemisst sich freilich nicht nur nach den Druckjahren. Genauso wichtig war, dass Lakemacher mit den relevanten Autoren jener Wissensfelder vertraut war, auf denen er sich hauptsächlich bewegte, also den großen Namen der Arabistik, Hebraistik und klassischen Altertumswissenschaften, speziell der Gräzistik seiner Zeit. Zu diesen Autoritäten zählten der niederländische Arabist und Hebraist Adriaan Reland (1676–1718), an dessen Antiquitates sacrae veterum Hebraeorum (1708) sich Lakemacher expressis verbis bei der Gliederung seiner Antiquitates Graecorum Sacrae (1734) orientierte und mit dem er hinsichtlich Lebensspanne wie auch Gelehrsamkeit später parallelisiert wurde,[52] der italienische Koranübersetzer und Theologe Ludovico Marracci (1612–1700), dem Lakemacher mit seiner eigenen angekündigten, aber nie veröffentlichten Koranübersetzung nacheiferte,[53] sowie für die Altertumswissenschaften die Philologen Johann Matthias Gesner (1691–1761), mit dem Lakemacher korrespondierte,[54] und Johann Albert Fabricius (1668–1736).[55]
[22]Alle diese Namen waren in Lakemachers Bibliothek vertreten. Zu Reland lassen sich wenigstens neun Einträge im Auktionskatalog feststellen, davon drei mit verschiedenen Ausgaben der Antiquitates sacrae veterum Hebraeorum.[56] Auch Relands bahnbrechendes Werk De religione Mohammedica (1705), das den ersten Versuch einer unvoreingenommenen Darstellung des Islams im christlichen Europa darstellt,[57] ist in zwei Ausgaben, der zweiten erweiterten Auflage von 1717 und einer deutschen Übersetzung von 1716, in Lakemachers Bibliothek vertreten.[58] Marraccis Koranübersetzung liegt in zwei Ausgaben vor, der ersten arabisch-lateinischen von 1698 und der zweiten, nur die lateinische Übersetzung wiedergebenden von 1721.[59] Gesner taucht in wenigstens elf Einträgen auf, z. B. mit seiner kommentierten griechisch-lateinischen Ausgabe des Philopatris, einer Schrift, die ursprünglich Lukian (ca. 120–180/200) zugeschrieben wurde, von der Gesner aber nachweisen konnte, dass sie später verfasst worden sein musste.[60] Gesners Chrestomathia Graeca (1731), die bis Anfang des 19. Jahrhunderts im Griechischunterricht in Gebrauch blieb,[61] bekam Lakemacher von Gesner geschenkt und bedankte sich dafür brieflich am 29. April 1732.[62] Fabricius wird vierzehnmal genannt, unter anderem besaß Lakemacher seine 14-bändige Bibliotheca Graeca (1705–1728), wohl in einer Mischung aus der dritten und der ersten Auflage, wobei er jeweils zwei Bände zusammenbinden ließ.[63]
[23]Fabricius’ Bibliotheca Graeca, ein philologisches Standardwerk, mag zu den schönen Ausgaben gezählt haben, die in den Niedersächsischen Nachrichten von gelehrten neuen Sachen versprochen worden waren. Im Bereich der Orientalistik und klassischen Philologie, in dem sich Lakemacher zumeist bewegte, waren im 17. und frühen 18. Jahrhundert insbesondere niederländische und englische Editionen sowie französische Übersetzungen hochgeschätzt. Im deutschen Raum fand man an deren gelehrte Standards erst Anschluss, nachdem Lakemacher bereits gestorben war, und zwar mit dem Wirken Johann Jacob Reiskes (1716–1774), der als Arabist wie Gräzist gleichermaßen bedeutend war, und in der klassischen Philologie mit der durch Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) ausgelösten Gräkomanie, schließlich mit dem von Christian Gottlob Heyne (1729–1812) in Göttingen und dann von Friedrich August Wolf (1759–1824) und Wilhelm von Humboldt (1767–1835) in Berlin vertretenen Neuhumanismus.[64] Allerdings rezipierten die deutschen Philologen auch vor dieser Neuaufstellung der klassischen Philologie als Leitdisziplin sehr genau die Entwicklungen in den anderen europäischen Ländern, sodass sie keinesfalls rückständig waren, wenn sie auch seltener eigene bedeutende Arbeiten vorlegten.[65]
[24]Das zeigt sich auch an Lakemachers Auktionskatalog, wenn man die genannten Druckorte und die Sprachen seiner Bücher betrachtet. Die Druckorte wurden nach dem oben erläuterten Schema (siehe Abschnitt 2.3) annotiert, dann extrahiert, mit OpenRefine bereinigt und mit Wikidata verknüpft, um anschließend Geokoordinaten zu importieren. Auf dieser Basis wurden die Druckorte mit QGIS kartographisch visualisiert. Die Sprachen wurden mittels der Pythonbibliothek Lingua Language Detector auf der Basis der Buchtitel ermittelt und statistisch ausgewertet. Mitunter konnten die Bücher zweisprachig sein, z. B. Griechisch mit lateinischer Übersetzung. Da die automatische Sprachzuweisung ohnehin einer Nachkontrolle mit Hilfe von OpenRefine unterzogen wurde, konnten diese Informationen anhand der Titelangaben nachgetragen werden.[66]
[25]Werten wir zuerst die Daten zu den Druckorten aus. Insgesamt ließen sich 1947 Ortsangaben ermitteln und geolokalisieren. Wie oben bereits erwähnt sind für die meisten Dissertationen keine Druckorte ausgewiesen, sodass der allergrößte Teil der Titelangaben, die Druckorte enthalten, tatsächlich erfasst sein dürfte. In jedem Fall ist die Datenmenge ausreichend groß, um die Orte und Regionen zu identifizieren, aus denen Lakemachers Bücher vorrangig stammten (vgl. Abbildung 5).
[26]Deutlich zu erkennen ist, dass Lakemacher neben Büchern aus den deutschsprachigen Buchhandels-und Buchdruckzentren, also Leipzig, Frankfurt, Basel und Hamburg, sowie den vielen Universitätsstädten – neben Helmstedt sind vor allem Jena und Halle (und abermals Leipzig) zu nennen – sehr viele Bücher aus den Vereinigten Niederlanden, insbesondere aus Amsterdam und Leiden, besaß. Hinzukommen nicht unerhebliche Bestände, die in England (namentlich London und Oxford), Frankreich (hier vor allem Paris) sowie Italien (hauptsächlich Venedig) gedruckt wurden. Neben diesen Zentren ist aber auch die Peripherie des geographischen Horizonts interessant. Denn in der Tat umspannte dieser geistige und materielle Horizont ganz Europa: von Sevilla im Südwesten bis St. Petersburg im Nordosten und von Oxford im Nordwesten bis Konstantinopel im Südosten.
[27]Blicken wir auf die Sprachen (vgl. Abbildung 6), so war der Großteil der Bücher Lakemachers bzw. der Titel in seinem Auktionskatalog, wie bei einer Gelehrtenbibliothek zu erwarten, auf Latein verfasst. Rund 78 Prozent der Bücher waren komplett oder zum Teil in dieser Sprache geschrieben. An zweiter Stelle steht mit rund 8 Prozent das Griechische, wobei Griechisch und Latein häufig zusammen vorkamen. In wenigstens 165 Fällen handelte es sich um griechische Texte mit lateinischer Übersetzung oder lateinischen Kommentaren, etwa die zweisprachige Ausgabe der Komödien des Aristophanes, die Ludolf Küster (1670–1716) 1710 in Amsterdam herausgab,[67] oder die zweisprachige Thukydides-Ausgabe mit griechischen Scholien und einem Kommentar, die Henricus Stephanus (1531–1598) zuerst 1564 edierte.[68] Auch dies sind Werke, die man bei einem Griechischprofessor erwartet und zeigen, dass Lakemacher gezielt Klassiker-Ausgaben sammelte, die den wissenschaftlichen Standards seiner Zeit entsprachen. Erst an dritter Stelle mit gut 5 Prozent finden sich deutschsprachige Werke, wobei auch diese meist einen Bezug zu Lakemachers Lehrgebieten hatten und Reiseberichte, orientalistische, hebraistische sowie historische und philosophische Literatur, kaum dagegen Belletristik umfassten. Hervorzuheben sind hier Werke bedeutender Vertreter der Frühaufklärung wie Christian Thomasius und Christian Wolff.[69] Bei letzterem hatte Lakemacher, wie erwähnt, in Halle studiert.[70] An dritter Stelle steht das Hebräische (ca. 3 Prozent), auch dies keine Überraschung, an vierter das Französische (etwa 2 Prozent). Während es sich bei den hebräischen Werken neben der Bibel oder Teilen davon vor allem um Werke rabbinischer Gelehrsamkeit handelte,[71] die Lakemacher zum Teil schon während seines Studiums bei dem syrischen Christen Salomon Negri (1665–1729) in Halle gelesen hatte,[72] weisen die französischen Titel ein ähnliches Profil auf wie die deutschsprachigen. Immerhin noch ein Prozent reklamieren Werke mit arabischen Sprachanteilen für sich, darunter mehrere Koranausgaben und -handschriften, Lakemachers eigene Grammatik Elementa linguae Arabicae (1718) und Übersetzungen zentraler christlicher Texte wie des Neuen Testaments sowie von Luthers Katechismus in das Arabische.[73] Diese Texte verweisen auf den Bezug zur Mission, der das Studium des Arabischen und anderer außereuropäischer Sprachen in der Frühen Neuzeit lange prägte.[74] Alle übrigen Sprachen weisen einen Anteil von weniger als einem Prozent auf, passen aber ebenfalls größtenteils zu Lakemachers Tätigkeit als Professor der orientalischen Sprachen. So fanden sich in seiner Bibliothek vereinzelt Werke die zumindest Teile auf Äthiopisch, Amharisch, Khoisan, Persisch, Koptisch, Armenisch, Samaritanisch, Aramäisch und Syrisch enthielten. Oft handelte es sich um philologische Grundlagenwerke, Grammatiken und Wörterbücher, wie die von Hiob Ludolf (1624–1704) zum Äthiopischen und Amharischen.[75] In Form eines Anhangs zur Lebensbeschreibung Ludolfs von Christian Juncker (1668–1714), die 1710 in Leipzig erschien, befand sich in Lakemachers Bibliothek sogar ein »specimen linguae hottentotticae«[76], also eine Probe der Sprache der Khoi oder Khoikhoi mit ihren charakteristischen Klicklauten.[77] Zu den Grammatiken und Wörterbüchern zählten zum Teil auch die wenigen Werke mit italienischen, englischen, spanischen und niederländischen Sprachanteilen. So besaß Lakemacher etwa Nicolo Di Castellis (geb. 1661) Deutsch-Italienisches Wörterbuch (Leipzig 1730) und die »Kurtze Anleitung zur Engl. Sprach zum Nutz der armen Pfälzer«[78], 1710 in London publiziert. Andere Werke hatten wieder einen direkteren Bezug zu Lakemachers gelehrtem Wirken, so beispielsweise eine niederländische Koranübersetzung von Jan Hendriksz. Glazemaker (1619/1620–1682), die 1696 in Amsterdam erschien.[79]
[28]Wie schon die Analyse der Druckorte zeigt damit das sprachliche Spektrum die Weite von Lakemachers geistigem Horizont, der nicht nur Europa umspannte, sondern mindestens bis nach Persien und Äthiopien reichte. Auch wenn Lakemacher den deutschsprachigen Raum nie verließ, verweist seine Büchersammlung auf die transkontinentalen Verflechtungen der europäischen Gelehrtenrepublik, mithin also auf eine globale Wissens-und Ideengeschichte, die aktuell einen Schwerpunkt der geschichtswissenschaftlichen Frühneuzeitforschung bildet und auch in der Wissenschaftsgeschichte eine immer größere Rolle spielt.[80]
3.2 Der Wert der Bücher
[29]Während aus dem bisher Gesagten der intellektuelle, immaterielle Wert der Bücher in Lakemachers Bibliothek hervorgeht, soll es nun um ihren materiellen Wert gehen. Schließlich diente die Bibliotheksauktion wie jede Versteigerung dazu, die Büchersammlung zu Geld zu machen. Dieses Geld sollte vor allem Lakemachers Witwe Elisabeth Maria (geborene von Glimisky, verheiratet seit 1725, gestorben nach 1749) und seinen drei hinterbliebenen Kindern zu Gute kommen.[81] Sie bekamen zwar, wie es üblich war, finanzielle Unterstützung durch die Witwenkasse der Universität Helmstedt, doch wird ihre ökonomische Lage trotzdem nicht einfach gewesen sein. Dabei war es gerade die kostspielige Anschaffung einer umfangreichen Bibliothek, die viele Professoren davon abhielt, zu Lebzeiten finanzielle Rücklagen zu bilden.[82] Und der Verkauf bzw. die Versteigerung einer Professorenbibliothek im Todesfall scheint, wenn wir einer Aussage von Lakemachers Witwe glauben, eher ein Verlustgeschäft gewesen zu sein.[83] Dies mag im Großen und Ganzen zutreffen, doch gab es auch Fälle, in denen die Auktionspreise über den üblichen Buchhandelspreisen lagen.[84] Das wirft Fragen nach den ökonomischen Dynamiken des Sammelns und der Preisbildung bei einer Buchauktion auf.
[30]Einen Ausgangspunkt bieten Überlegungen von Petra Feuerstein-Herz, die sich zwar vorrangig auf den heutigen Markt für antiquarische, alte Bücher beziehen, aber mutatis mutandis auf den frühneuzeitlichen Handel mit gebrauchten Büchern übertragen werden können.[85] Nach Feuerstein-Herz ist jedes Buch des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, selbst ein gedrucktes, in gewisser Weise immer ein unikales Objekt. Selbst wenn es seriell gedruckt wurde, konnten durch den Handsatz während des Druckvorgangs Korrekturen und andere Änderungen auch in Drucken ein und derselben Auflage vorkommen. Darüber hinaus kaufte man neue Bücher anders als heute nicht fertig gebunden, sondern ließ die Druckbögen von einem Buchbinder binden, zuschneiden und mit einem den eigenen Vorlieben und finanziellen Möglichkeiten entsprechenden Einband versehen. Dabei konnten auch mehrere Werke zu einem Band zusammengefügt oder, wie beim Lakemacherkatalog (siehe oben Abbildung 1), Leerseiten für zusätzliche Notizen eingeschossen werden.[86] Das individuelle Gepräge, das viele Büchersammlungen aufwiesen, resultierte nicht zuletzt aus dieser Praxis.[87] Die Unikalität vormoderner Bücher macht sie nicht nur zu komplexen, einer gewissen Eigenlogik folgenden Objekten, sondern bringt eine »prinzipielle Wertunsicherheit«[88] mit sich, die sie etwa mit Kunstobjekten teilen. Das bedeutet aber nicht, dass materiale Eigenschaften bei der Werteinschätzung von Büchern bedeutungslos waren oder sind. Vielmehr bestimmen die Qualität des Papiers und Drucks, die Ausstattung des Einbands, die Illustrierung mit Kupferstichen oder Holzschnitten und auch das Alter eines Buches seinen Preis mit.[89] Das war offensichtlich den Buchauktionatoren des 18. Jahrhunderts ebenso bekannt. Schließlich sind im Katalog zur Lakemacher-Auktion auch Angaben zu den Einbänden sowie zu etwaigen Illustrationen und anderen Besonderheiten der Buchexemplare häufiger vermerkt.[90] Doch sind diese äußerlichen Merkmale, wie Feuerstein-Herz feststellt, »nicht eindeutige oder ›objektive‹ Kriterien […], aus welchen sich ein ›angemessener‹ Preis taxieren lässt.«[91]
[31]Dieses Problem lässt es umso sinnvoller erscheinen, nach Korrelationen zwischen den erzielten Auktionspreisen und bestimmten Merkmalen der versteigerten Bücher zu fragen. Aus Platzgründen wird sich die Analyse auf drei Basiskategorien beschränken, die sich anhand der Katalogdaten gut untersuchen lassen: die Wertigkeit der größtenteils nach Formaten gebildeten Kategorien im Katalog, der Einfluss bestimmter Einbandarten auf die Preisbildung sowie das Alter der Bücher.
[32]Als Basis für die Analyse ist zunächst der Gesamterlös der Auktion sowie der Durchschnittspreis für die einzelnen Katalogeinträge zu ermitteln. Rechnet man die in den Daten erfassten Preise zusammen, ergibt sich eine stattliche Summe von etwa 1149 Talern und 16 Groschen. Dieser Wert liegt etwas höher, als der im Göttinger Exemplar des Katalogs zeitgenössisch errechnete Auktionserlös von 1146 Talern, 10 Groschen und 3 Pfennigen,[92] befindet sich aber in derselben Größenordnung. Geht man vom errechneten Wert aus, ergibt sich ein Durchschnittspreis von etwa 0,41 Talern pro Katalogeintrag, was umgerechnet ca. 9 Groschen und 9 Pfennigen entspricht.
[33]Inwieweit die Kategorien, in die der Katalog die Bücher einteilte, über oder unter diesem Durchschnitt lagen, zeigt die folgende Tabelle neben dem Gesamterlös pro Kategorie:
| Kategorie | Einträge | Gesamtpreis pro Kategorie (in Talern) | Durchschnittspreis pro Eintrag (in Talern) |
| In Folio | 155 | 309,29 | 2,00 |
| In Quarto | 343 | 304,54 | 0,89 |
| In Octavo | 707 | 263,03 | 0,37 |
| In Duodecimo | 184 | 36,52 | 0,20 |
| Dissertationes (39 Sammelbände) | 1142 | 44,23 | 0,04 |
| Libri Rabbinici, Et Ad Philologiam Sacram, Et Antiquitates Iudaicas Pertinentes. In Folio | 33 | 92,88 | 2,81 |
| Libri Rabbinici… In Quarto | 85 | 58,35 | 0,69 |
| Libri Rabbinici… In Octavo | 47 | 15,44 | 0,33 |
| Libri Rabbinici… In Duodecimo | 15 | 1,79 | 0,12 |
| Appendix Curiosorum, Ad Antiquitates Iudaicas Spectantium | 23 | 9,92 | 0,43 |
| Miscellanea Et Incompacta Cum Libris Omissis | 92 | 13,68 | 0,15 |
| Gesamt | 2826 | 1149,67 | 0,41 |
[34]Tendenziell am teuersten waren die Libri Rabbinici in Folio gefolgt von den sonstigen Foliobänden. Sie waren besonders repräsentativ, und damit schon aufgrund ihrer Materialität wertvoller als Bücher in einem kleineren Format. Die Libri Rabbinici waren oft sicher auch selten, handelte es sich doch um gelehrte Spezialliteratur, die durch die Verwendung nicht-lateinischer Schriften drucktechnisch anspruchsvoll war und oft aus dem Ausland, etwa aus Amsterdam oder Venedig stammte.[93] Diese Bücher waren damit im deutschen Raum sicher nur schlecht zu bekommen und nicht nur für Philologen, sondern auch Theologen interessant, was den Preis nach oben getrieben haben dürfte. Auch die Bücher in Quart lagen preislich insgesamt über dem Gesamtdurchschnitt, wobei hier interessanterweise die Libri Rabbinici offenbar tendenziell günstiger zu haben waren, als die sonstigen. Dasselbe lässt sich bei den Büchern im Oktav-und Duodezformat feststellen, die insgesamt etwas niedriger taxiert wurden als der Durchschnitt. Insbesondere die Oktavbände dürften deutlich weniger selten gewesen sein als die Foliobände, was man schon daran sieht, dass sich auf sie abgesehen von den Dissertationen die meisten Einträge bezogen.[94] Ein Großteil der Leseausgaben und der gelehrten Literatur, wie sie von Professoren und Studenten in Lehrveranstaltungen genutzt wurden, war im Oktavformat. Beispiele hierfür bietet der Auktionskatalog Lakemachers in der letzten Sektion »Miscellanea et Incompacta Cum Libris Miscellaneis«. Hier werden mehrere Konvolute der antiken griechischen Werke aufgeführt, die Lakemacher für die Hörer seiner Vorlesungen drucken ließ:
- 64 Exemplare Über den Aberglauben von Plutarch (ca. 45–125)
- 12 Exemplare von Lukians (um 120–180/200) Von der syrischen Göttin,
- 70 Exemplare der Wolken von Aristophanes (ca. 450/444–380 v. Chr.) nach der Ausgabe Ludolf Küsters,[95]
- 84 Exemplare von Theokrits (lebte um 270 v. Chr.) Idyllen mit Fragmenten von Alkaios (ca. 630–580 v. Chr.) und Sappho (um 630/612–570 v. Chr.) sowie
- 64 Exemplare von Xenophons (etwa 430/425–354 v. Chr.) Über den Staat der Lakedaimonier und dem ihm untergeschobenen Staat der Athener.
[35]Alle diese Ausgaben erschienen im Oktavformat und wurden mehrheitlich ungebunden, wie sie waren, für ein paar Groschen von dem Helmstedter Buchhändler Christian Friedrich Weygand (1704–1764) erworben.[96]
[36]Besonders günstig waren Dissertationen, was sicher auch an ihrem meist geringen Umfang lag. Dennoch steht dieser Befund in einer gewissen Diskrepanz dazu, dass sie in der Praefatio des Auktionskatalogs eigens als Besonderheit der Auktionsmasse hervorgehoben sind.[97] Allerdings relativiert sich diese Einschätzung, wenn wir statt der Anzahl der Titeleinträge die Anzahl der sehr umfänglichen Sammelbände als Berechnungsgrundlage für den Durchschnittspreis heranziehen. Dann scheinen die Dissertationen mit etwa 1,13 Talern pro Sammelband durchaus über dem Durchschnittspreis zu liegen. Dies gilt auch dann, wenn man zur Berechnung des Gesamtdurchschnitts die 39 Dissertationsbände statt ihrer Titelzahl heranzieht. Der Durchschnittspreis pro Band würde dann 0,67 Taler betragen. Nichtsdestotrotz trugen die Dissertationen trotz ihrer großen Zahl nur wenig zum Gesamterlös der Auktion bei, nämlich nur rund 3,8 Prozent. In finanzieller, wenn auch nicht in intellektueller Hinsicht sind sie damit fast zu vernachlässigen.
[37]Was die Einbandarten anbelangt, so lassen sich auch hier signifikante Unterschiede feststellen, allerdings mit der Einschränkung, dass nur in 347 Einträgen Angaben zum Einband gemacht wurden. Bei den übrigen Einbänden können wir auf der Basis der noch erhaltenen Bände mit Provenienzmerkmalen Lakemachers vermuten, dass es sich um Papp-oder Halbpergamenteinbände handelte, die preisgünstig, aber durchaus ansprechend mit buntem Kleisterpapier überzogen waren.[98] Über die übrigen Einbandarten, ihre Anzahl und das Preisniveau gibt, soweit sie im Katalog vermerkt sind, die folgende Tabelle Aufschluss:
| Einbandart | Anzahl der Einträge | Gesamtpreis pro Einbandart (in Talern) | Durchschnittspreis pro Buch (in Talern) |
| Braunes Leder | 40 | 27,35 | 0,68 |
| Englischband | 76 | 104,83 | 1,38 |
| Franzband | 38 | 33,17 | 0,87 |
| G. B. / G.[99] | 9 | 17,54 | 1,95 |
| geheftet | 3 | 0,40 | 0,13 |
| Pergamentband | 172 | 192,07 | 1,12 |
| Rotes Leder | 5 | 7,62 | 1,53 |
| Saffianband | 3 | 10,42 | 3,47 |
| ungebunden | 1 | 0,04 | 0,04 |
[38]Den höchsten Durchschnittspreis von knapp 3 Talern und 12 Groschen weisen die drei mit einem Einband aus Saffianleder versehenen Bände auf,[100] doch ist ihre Zahl zu gering, um statistisch belastbare und somit signifikante Aussagen zu machen. Dasselbe gilt für die ebenfalls überdurchschnittlich teuren Bände, die mit der nicht auflösbaren Abkürzung »G. B.« oder »G.« gekennzeichnet waren, die in rotes Leder eingebundenen sowie die relativ billigen, zu denen eigens vermerkt war, dass sie nur geheftet oder ungebunden waren.[101] Statistisch verwertbar sind dagegen die zahlreicheren Angaben zu den Englisch-und den Franzbänden, den Pergamentbänden und denen aus braunem Leder. Von diesen erzielten die Englischbände, eine Art Lederband ähnlich dem Franzband, den höchsten Durchschnittspreis mit 1,38 Talern. Ihnen folgten Pergamentbände mit 1,12 Talern, Franzbänden mit 0,87 Talern und schließlich einfache braune Lederbände mit 0,68 Talern. Grundsätzlich lagen diese Einbandarten über dem oben ermittelten Gesamtdurchschnitt von 0,41 Talern, was dafür spricht, dass sie tatsächlich einen positiven Einfluss auf den erzielten Endpreis hatten. Dabei scheinen die Einbandarten eine unterschiedliche Wertigkeit gehabt zu haben, doch wäre dies anhand anderer Quellen zu prüfen.[102] Wie groß der Einfluss des Einbandes auf die Preisfindung war und inwieweit Einbandart und andere Merkmale zusammenwirkten, lässt sich momentan noch nicht befriedigend beantworten.
[39]Was das Alter der Bücher als Kriterium für die Wertbestimmung betrifft, so lässt sich relativ leicht bestimmen, ob zwischen dem Preis und dem Druckjahr eine Korrelation besteht, indem man beide Werte in einem Streudiagramm oder Scatterplot visualisiert (vgl. Abbildung 7).[103] Anhand der Trendlinie, die annähernd horizontal verläuft, lässt sich ablesen, dass es offenbar keinen statistischen Zusammenhang zwischen dem Preis und dem Alter eines Buches gab. Anders als heute scheinen beispielsweise Inkunabeln, von denen Lakemacher einige besaß, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch keinen besonderen Wert allein aufgrund ihres Alters gehabt zu haben. Vielmehr sind es gerade Bände, die in den drei bis vier Jahrzehnten vor der Auktion erschienen waren, die zu den teuersten zählten. Wenn überhaupt, dann zahlte man für relativ aktuelle Literatur höhere Preise, wiewohl hier zusätzliche Faktoren wie das Format und die Einbandart, vermutlich auch der Inhalt einen größeren Einfluss auf die Preisbildung gehabt zu haben scheinen.
[40]Dieses Ergebnis bestätigt die Ausgangsüberlegung, dass die äußeren Eigenschaften eines Buches keine objektiven Kriterien für seine preisliche Bewertung waren, sondern Faktoren, die einzelfallbezogen im Zusammenspiel miteinander und anderen situativen Komponenten zur Preisfindung beitrugen. Im Falle von Auktionen spielte und spielt die situative Komponente noch eine größere Rolle als im sonstigen Buchhandel.[104] Zu diesen situativen Komponenten zählt nicht zuletzt die Zusammensetzung des Auktionspublikums.
3.3 Die Käufer und ihr Kaufverhalten
[41]Auktionen sind soziale Ereignisse und eine gemeinschaftliche Praxis.[105] Als solche sind sie eingebettet in verschiedene, einander überlappende und mehr oder minder formelle wie informelle Netzwerke. Diese Netzwerke können verdeckt sein, etwa wenn sich die Bietenden untereinander absprechen, wofür es auch unter den Helmstedter Professoren Hinweise gibt.[106] Oder sie können explizit gemacht werden, wenn es dem reibungslosen Ablauf der Auktion diente. So war es üblich, dass für auswärtige Interessenten an einer Versteigerung Mittelsmänner benannt wurden, die Aufträge entgegennahmen.[107] Im Katalog zur Lakemacher-Auktion wurden vier Kollegen Lakemachers explizit als Kontakte für externe Käufer aufgeführt: Johann Lorenz von Mosheim (1694–1755), Christian Breithaupt (1689–1749), Johann Nikolaus Frobese (1701–1756) und Hermann von der Hardt. Hinzukam noch der Helmstedter Buchhändler und Verleger Christian Friedrich Weygand.[108] Als Stellvertreter vor Ort waren sie nötig, da Auktionen als Kommunikationsereignisse und Interaktionsveranstaltungen unter Anwesenden abliefen. Eine Versteigerung war, wie Elizabeth Harding feststellt, eine »Präsenzsituation, die unter der Beteiligung politisch-sozial divergenter Akteure stattfand«.[109] Ich möchte versuchen, die soziale Divergenz des Auktionspublikums, das am 14. Januar 1737 zur Versteigerung von Lakemachers Bibliothek zusammenkam, nachzuzeichnen. Dabei wird es auch eine Frage sein, ob sich die soziale Gruppenzugehörigkeit in einem unterschiedlichen Kaufverhalten niederschlug.
[42]Grundsätzlich lassen sich die insgesamt 70 Käufer nach ihrem Berufsstand in drei Gruppen einteilen: 1. Studenten, 2. Professoren, 3. Angehörige anderer Berufe (vgl. Abbildung 8).[110] Von diesen waren die Studenten, die allesamt in Helmstedt studierten, die größte Gruppe mit 39 Personen. Die zweitgrößte Kategorie mit 15 Vertretern waren Angehörige anderer Berufe, von denen ein Drittel in Helmstedt wohnte, der Rest von auswärts kam. Die kleinste Gruppe stellten 12 Professoren, die alle bis auf zwei in Helmstedt lehrten. Die auswärtigen Käufer dürften, wenn sie aus der Umgebung Helmstedts kamen, z. B. in Wolfenbüttel oder Braunschweig beheimatet waren, selbst vor Ort gewesen sein. Andernfalls dürften sie aber, wenn sie weiter weg wohnten, z. B. in Halle oder Göttingen, über die in der Praefatio des Auktionskatalogs genannten Mittelsmänner ihre Gebote abgegeben haben. Allerdings zeigen die Zahlen deutlich, dass die Auswärtigen nur in geringem Maße zum Gesamterlös der Auktion beitrugen, nämlich nur 165,18 von 1149,67 Talern. Die Lakemacher-Auktion bediente also primär den lokalen Buchmarkt und hier vor allem das akademische Milieu, was vermutlich auch für die meisten anderen zeitgenössischen Versteigerungen von Professorenbibliotheken zutraf.
[43]Doch lassen sich durchaus Unterschiede hinsichtlich der ökonomischen Bedeutung und dem Kaufverhalten zwischen den Berufsgruppen unter den Käufern feststellen (vgl. Abbildung 9 und 10). So kauften die Studenten insgesamt zwar mit Abstand die meisten Bücher, die Professoren gaben aber zusammengenommen etwas mehr Geld aus. Die Angehörigen sonstiger Berufe waren dagegen in beiden Fällen auf Platz drei. Damit waren Professoren und Studenten gleichermaßen von großer Bedeutung für den kommerziellen Erfolg der Auktion im Sinne des möglichst hohen Erlöses.
[44]Was das Kaufverhalten anbelangt, so lässt sich feststellen, dass Studenten im Durchschnitt 41,6 Bücher pro Person kauften, und damit weniger als Professoren (61 Bücher pro Person), aber mehr als die Angehörigen sonstiger Berufe (28 Bücher pro Person). Dabei gaben sie von den drei Käufergruppen am wenigsten Geld aus (nur rund 11,4 Taler im Durchschnitt), während die Professoren mit 40,4 Talern pro Person am meisten bezahlten und die sonstigen Personen mit 13,7 Talern pro Person in der Mitte rangierten. Überwiegend dürften Studenten die Buchauktion also vor allem dazu benutzt haben, um günstig Literatur zu erwerben, die den Grundstock für eine eigene Bibliothek bieten konnte. Die Professoren scheinen sich dagegen mehr für teurere und wohl auch seltenere und repräsentative Ausgaben bzw. Werke interessiert zu haben, die ihnen in ihren Büchersammlungen noch fehlten. Ähnliche Beweggründe wird man für die Gelehrten unter den Angehörigen sonstiger Berufe annehmen können. Hierbei handelte es sich in der Mehrzahl um Geistliche und Lehrer. Lediglich der Helmstedter Drucker und Buchhändler Christian Friedrich Weygand dürfte hauptsächlich günstige Bücher für den Weiterverkauf erworben haben, darunter auch den Großteil der noch ungebundenen, in mehreren Exemplaren vorhandenen Werke und Herausgeberschaften Lakemachers. Doch fanden mehrere von diesen Losnummern auch Abnehmer unter der Studentenschaft.[111]
[45]Überhaupt erscheinen die Studenten als eine durchaus heterogene Käufergruppe, wenn man auf einer individuellen Ebene den Gesamtpreis mit der Anzahl der gekauften Bücher pro Person korreliert (vgl. Abbildung 11).[112] Auch hier zeigt sich zwar, dass die Studenten tendenziell preisgünstigere Bücher kauften, doch taten sie dies teils in großer Menge, mussten folglich also trotzdem über erhebliche Geldmittel verfügen. Dies trifft etwa auf Gustav Philipp Häcker zu, der 180 Bücher für 136,3 Taler kaufte und damit insgesamt das meiste Geld auf der Auktion ausgab. Zu erwähnen ist aber auch Johann Friedrich Jakob Telge, der 223 Bücher für 74,8 Taler kaufte und damit von allen Käufern die meisten Bücher erwarb. Dieses Kaufverhalten wirft die Frage auf, ob diese Studenten bzw. die Käuferschaft insgesamt in jedem Fall auf eigene Rechnung kaufte oder im Auftrag unbekannter Dritter. Möglich wäre auch, dass es zwar keinen direkten Auftraggeber gab, aber beim Kauf bereits die Möglichkeit des Weiterverkaufs mitgedacht wurde. Allerdings sind hierüber wie generell über den Handel mit gebrauchten Büchern unter der Studentenschaft keine Quellen bekannt.[113]
3.4 Ausblick: Buchitinerare und Sammlungsnetzwerke
[46]Die Frage nach dem Kaufverhalten bei der Buchauktion führt unmittelbar zu der Frage nach dem Verbleib der Bücher Lakemachers. Nur durch Provenienzforschung[114] kann letztlich geklärt werden, welchen Weg die Bücher gegangen sind, ob sie jeweils für den Eigengebrauch oder zum Weiterverkauf erworben wurden. Als Quellen können hier einerseits die Bücher selbst dienen. Immerhin 19 Titel, die eindeutige Provenienzmerkmale Lakemachers aufweisen, lassen sich heute noch in öffentlichen Bibliotheken nachweisen, in die sie teils auf verschlungenen Pfaden gekommen sind (vgl. Abbildung 12). Doch verraten die Bücher selbst oft nur wenig über ihre jeweiligen Stationen und Itinerare,[115] und auch die Kataloge der jeweiligen Bibliotheken helfen nur bedingt weiter.
[47]Ihre Auswertung muss also durch zusätzliche Quellen ergänzt werden, die auch über heute nicht mehr auffindbare Exemplare Aufschluss geben können. Hier spielen wiederum Auktionskataloge eine wichtige Rolle, die zu mehreren der an der Lakemacher-Auktion Beteiligten überliefert sind, teils in annotierter Form mit Preisen und sogar Käufernamen.[116] Auch über die Korrespondenz-und Publikationsnetzwerke der Auktionsbeteiligten lassen sich Querverbindungen unter den Käufern und über deren Kreis hinaus ermitteln (vgl. Abbildung 13),[117] die dann freilich anhand des Quellenbefundes überprüft werden müssen.[118] Über die Kombination dieser Quellen lassen sich theoretisch ganze Überlieferungsketten und Netzwerke rekonstruieren, die über die einzelne Auktion, einzelne Sammler*innen und ihre Sammlungen hinausweisen. Doch muss die Untersuchung der Buchitinerare und Sammlungsnetzwerke vorerst ein Desiderat bleiben. Sie geht über das Ziel dieses Beitrags hinaus.
4. Fazit
[48]Angesichts der angedeuteten Desiderata kann nur ein vorläufiges Fazit am Ende dieses Beitrags stehen. Deutlich geworden ist, dass Auktionskataloge wie der Lakemachers sich besonders gut für eine digitale, quantifizierende Analyse eignen, auch wenn sie nicht bis ins letzte Detail bibliographisch erschlossen sind. Vielmehr ließ sich mit Hilfe teilautomatisierter Annotationen und mit Methoden des natural language processing und distant reading auch aus der transkribierten Titelliste ein guter Überblick über den Inhalt von Lakemachers Bibliothek gewinnen. Demnach handelte es sich um eine vornehmlich philologisch ausgerichtete Sammlung, die in ihrer sprachlichen Zusammensetzung ein tendenziell globales Spektrum aufwies und bezogen auf die Druckorte Bücher aus ganz Europa barg. Schwerpunkte waren erkennbar: das Umfeld der Universität Helmstedt selbst, die großen deutschen Druck-und Verlagsmetropolen Frankfurt und Leipzig, daneben weitere Universitätsstädte (Jena, Wittenberg, Basel u. a.), schließlich die Vereinigten Niederlande, besonders Amsterdam. Hebräische Bücher kamen häufig aus Italien, vor allem Venedig. Anhand der Druckjahre ließ sich zudem herausarbeiten, dass Lakemacher vor allem aktuelle Literatur sammelte, aber auch ältere Editionen inklusive einiger Inkunabeln, so sie einschlägig für seine Fachgebiete Gräzistik und Orientalistik waren und seinen gelehrten Ansprüchen genügten.
[49]Der intellektuelle und materielle Wert der Bücher spiegelte sich im durchaus beachtlichen Erlös der Auktion von ca. 1149 Reichstalern wider. Ob es sich dennoch um ein Verlustgeschäft handelte, wie Lakemachers Witwe behauptete, wäre zu klären. Dazu müssten die erzielten Preise zumindest anhand einer Stichprobe mit den gängigen Buchhandelspreisen verglichen werden, wie sie etwa in den einschlägigen Bücherlexika des 18. Jahrhunderts dokumentiert sind.[119] Anhand der im durchschossenen Auktionskatalog enthaltenen Daten konnten aber Büchermerkmale identifiziert werden, die bei der Preisfindung positiv für den Verkäufer oder die Verkäuferin wirken konnten. So spielten Format und Einbandart, also eher äußerliche, die Materialität der Bücher betreffende Faktoren, offenbar eine wichtigere Rolle als inhaltliche oder etwa das Alter. Letzteres hatte keinen statistisch signifikanten Einfluss auf den Endpreis. Inkunabeln bzw. alte Bücher galten, anders als heute, nicht schon aufgrund ihres Alters als wertvoll. Dafür waren großformatige Bücher mit hochwertigem Einband begehrt und dementsprechend teuer.
[50]Auch bezüglich der Zusammensetzung des Auktionspublikums und beim Kaufverhalten der unterschiedlichen hier vertretenen Sozialgruppen ließen sich Unterschiede ermitteln. Für Studenten bot die Auktion eine gute Gelegenheit günstig an Bücher zu kommen, sodass sie mitunter sehr viele Bücher kauften, tendenziell zu niedrigen Preisen. Dies galt offenbar nicht nur für die Lakemacher-Auktion, sondern allgemein, denn sie können auch sonst als »Standardpublikum bei den meisten Auktionen im 17. und 18. Jahrhundert«[120] gelten. Ihre »Kaufwut«[121] führte in manchen Universitätsstädten (z. B. Jena) sogar zu zeitlichen Einschränkungen im Auktionswesen, damit die Studenten nicht ihre Lehrveranstaltungen für Auktionen vernachlässigten.[122] Stärker als in der bisherigen Literatur beschrieben fallen bei der Lakemacherschen Auktion als zweite Gruppe die Professoren ins Auge,[123] die insgesamt zwar weniger Objekte erstanden, aber dafür mehr Geld zahlten. Sie trugen dementsprechend am meisten zum Erlös der Auktion bei, wobei verschiedene Motive hervortreten. Neben dem Wunsch, die eigene Bibliothek durch einige der selteneren und hochwertigen gelehrten Werke aus Lakemachers Bibliothek zu komplettieren, mag auch eine Sorge um seine Witwe und Kinder, denen der Erlös der Versteigerung hauptsächlich zu Gute kam, mit im Spiel gewesen sein. Wie stark der Gedanke wechselseitiger Solidarität gewesen ist, lässt sich kaum abschätzen, doch wird er wirksam gewesen sein. Schließlich hatten die Professoren ein eigenes Interesse daran, dass nach ihrem Tod auch ihre Witwen und Kinder eine möglichst stattliche Summe für die bei Lebzeiten oft unter großem finanziellem Aufwand aufgebaute Büchersammlung erhielten. Solche Solidaritäts-Motive wird man unter den übrigen Käufern, unter denen der Helmstedter Buchhändler und Verleger Christian Friedrich Weygand heraussticht, nicht unbedingt finden. Für sie wird entscheidend gewesen sein, billig Bücher zu erwerben, vielleicht auch das ein oder andere seltene Buch zu kaufen, das ihnen noch fehlte. Zumindest Weygand kaufte sicher vor allem um wieder zu verkaufen.[124]
[51]Diese Ergebnisse müssten mit denen zu anderen Auktionen verglichen werden, wofür sich insbesondere die teils ebenfalls mit durchschossenen bzw. annotierten Exemplaren überlieferten Kataloge der Käufer auf der Lakemacher-Auktion anbieten. Auf diesem Wege ließen sich die Quellenbasis für einen Vergleich erweitern und gleichzeitig, wie in dem Ausblick (Abschnitt 3.4) angedeutet, Provenienzketten bilden und Objektitinerare für Lakemachers Bücher rekonstruieren, die über das bisher Bekannte hinausgehen. Nicht zuletzt würden so Sammlungsnetzwerke sichtbar, die sich mit anderen, vornehmlich intellektuellen Netzwerken in Korrelation bringen lassen. Dazu wäre auch eine Analyse der Publikationen Lakemachers nötig, die in Verbindung mit der Rekonstruktion seiner Bibliothek Praktiken offenlegen kann, derer er sich innerhalb der res publica litteraria als einer »community of practice« bediente.[125] Die Sammlungsforschung kann so in eine weiter gefasste Wissensgeschichte integriert werden. Hier kann sie nicht zuletzt wichtige Erkenntnisse über die materiellen und ökonomischen Voraussetzungen der Wissensproduktion einbringen. Dies gilt scheinbar paradoxerweise selbst dann, wenn sie digital und datengestützt auf der abstrakten Ebene von quantitativen Übersichten und Visualisierungen, also ohne direkten Zugriff auf die konkreten Objekte verfährt. Dies sollte am Fallbeispiel Lakemacher deutlich geworden sein.
[52]
Fußnoten
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[1]Meyer 1926, S. II.
-
[2]Meyer 1926, S. II.
-
[3]Repräsentativ hierfür sind die im Kontext des Forschungsverbundes Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) entstandenen Bände in der Reihe Kulturen des Sammelns. Vgl. stellvertretend und grundlegend Günther / Alschner (Hg.) 2024.
-
[4]
-
[5]Vgl. Münkner et al. (Hg.) 2024; außerdem exemplarisch für Goethe Höppner 2022.
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[6]
-
[7]Vgl. Münkner et al. 2024.
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[8]Selecta Bibliotheca Philologica 1736. Hier wurde das Exemplar der HAB mit der Signatur M: Bc 1182 verwendet (URN des Digitalisats: urn:nbn:de:gbv:23-drucke/bc-11829).
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[9]
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[10]Vgl. Harding 2024a; grundsätzlich zu Buchauktionen in der Frühen Neuzeit auch Gebauer 1981.
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[11]Vgl. Streich 1977; Wittmann (Hg.) 1984; Raabe 1987, S. 652–656; Adam 2008; Raabe 2013; Hakelberg 2015a; Hakelberg 2015b; Münkner 2020; Münkner 2021; der Weduwen et al. (Hg.) 2021; Weis 2024, S. 123f.; Hundehege 2024; Harding 2024a; Harding 2024b, S. 640–641; Schmiegelt-Unland 2024.
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[12]
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[13]Vgl. Cremer 2017, S. 64–72; Harding / Weis 2024; exemplarisch für den Buchindex auch Duncan 2021; für das Verhältnis von Buchwissenschaft und Praxeologie Kempf 2019.
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[14]Vgl. Harding 2024a; zu epistemischen Netzwerken, die soziale, semantische und semiotische Dimensionen einschließen, Renn 2022, S. 584–621.
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[15]Vgl. Duntze / Rautenberg 2015, S. 1; Beyer et al. 2017.
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[16]Zum Folgenden vgl. Schmiegelt-Unland 2024, S. 32–34; Beyer et al. 2017, S. 45.
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[17]Vgl. Beyer et al. 2017, S. 46–51; außerdem die Ausführungen zur Datenaufbereitung des Lakemacherkatalogs im folgenden Abschnitt 2.2 und die methodischen Überlegungen in Abschnitt 2.3.
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[18]Die beiden Abbildungen und die darauf aufbauende Analyse stützen sich vor allem auf die im MWW-Projekt Frühneuzeitliche Gelehrtenbibliotheken gesammelten Daten. Vgl. auch Beyer et al. 2017; Gebauer 1992.
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[19]Vgl. Bruning 2010.
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[20]Vgl. Alschner 1998, S. 118–122.
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[21]Zu den Helmstedter Professorenbibliotheken vgl. Arnold 2010.
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[22]Zu Lakemacher und seinem Leben allgemein vgl. Ben-Tov 2018; Ahrens 2004, S. 139; Angerstorfer et al. 1997; Koldewey 1895, S. 113–115; Siegfried 1883; Frobesius 1736.
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[23]Vgl. Ben-Tov 2018, S. 300. Für die Hochschätzung Lakemachers bei seinen Zeitgenossen spricht unter anderem, dass er 1733 im Vorfeld der Gründung der Universität Göttingen als möglicher Kandidat für die Professur für griechische und orientalische Sprachen dort gehandelt wurde. Vgl. Bodemann 1885, S. 224.
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[24]Vgl. Ben-Tov 2018, S. 300f.; Siegfried 1883.
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[25]So versuchte er sich als Erster an einer komparatistischen, von christlichen Dogmen weitgehend unbeeinflussten Darstellung der antiken griechischen Religion. Vgl. Borgeaud 2017.
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[26]Ben-Tov 2018, S. 301. Zu korrigieren ist Ben-Tovs Behauptung, Lakemacher werde in Christian Gottlieb Jöchers Gelehrten-Lexicon nicht berücksichtigt. Jöcher hat ihn aufgenommen. Vgl. Jöcher 1750, Sp. 2200. Das ändert aber nichts an der Gültigkeit von Ben-Tovs grundsätzlicher Einschätzung.
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[27]Zum Folgenden vgl. auch Münkner 2021, S. 192-193.
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[28]
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[29]Die Versteigerungslose umfassen Bände, Sammelbände mit mehreren enthaltenen Werken und die in 39 Bänden zusammengefassten einzelnen Dissertationen. Hinzu kommen noch einige Gegenstände, die keine Bücher waren, aber zusammen mit der Bibliothek verauktioniert wurden. Dazu zählten Fragmente von Torarollen und aus dem Tanach, jüdische Amulette aus Pergament oder Papier, ein jüdischer Altar und andere religiöse Gegenstände. Das alles bewegt sich in der zeitüblichen Norm für Buchauktionskataloge, erschwert es aber, einheitliche Zahlen anzugeben. Das ist bei den Auswertungen weiter unten zu berücksichtigen.
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[30]
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[31]
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[32]Vgl. Selecta Bibliotheca Philologica 1736, Titelblatt.
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[33]Beide Datenbanken sind integriert in Beyer et al. (Bearb.) 2006–2013. Vgl. außerdem Ahrens 2004; Bruning / Gleixner (Hg.) 2010, S. 311–318.
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[34]Die Herangehensweise steht methodisch damit Franco Morettis Untersuchung von 7000 Romantiteln nahe, wenn sie auch keine stil- und literaturgeschichtliche Fragestellung verfolgt. Vgl. Moretti 2013, S. 179–210.
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[35]Vgl. grundsätzlich Lemercier / Zalc 2019, S. 142–154; Moretti 2013.
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[36]Die verwendeten Bibliotheken waren: spaCy für NLP-Aufgaben, Lingua Language Detector zur Sprachklassifizierung und Plotly zur Datenvisualisierung und -auswertung.
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[37]Vgl. Lang 2019; Klinke 2017, S. 272f. Hierbei ließen sich bestimmte Arbeitsschritte, etwa Annotation von Verfassernamen, Druckorten und -jahren sowie die Zuweisung von Sachgebieten zu den einzelnen Titeln, sicher auch durch den Einsatz von large language models (LLMs) bzw. generativer Künstlicher Intelligenz noch weiter automatisieren (vgl. Chow et al. 2024). Doch waren diesbezügliche Versuche, die sowohl über das Chat-AI-Interface als auch über das dazugehörige API der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen durchgeführt wurden (vgl. Doosthosseini et al. 2024), wenig zufriedenstellend. Dabei wurden verschiedene LLMs getestet, grundsätzliche Probleme ergaben sich aber durchweg. Dazu zählten die bekannten Halluzinationen, besonders bei Druckorten und -jahren, die sich auch durch explizite Anweisungen nicht vollends beseitigen ließen, der Mangel an Konsistenz von Sachgebietszuweisungen, auch wenn über den Prompt eine Liste mit zu verwendenden Begriffen bereitgestellt wurde, und die Beschränkungen des API durch rate limits (die zudem in der zugehörigen Dokumentation nicht genauer spezifiziert sind). Die entsprechenden Skripte und Prompts soweit zu optimieren, dass sie zuverlässig, reproduzierbar und ohne rate limit-Probleme für Abfragen zu ca. 3000 Buchtiteln funktionieren, erwies sich als zu arbeitsaufwändig. Stattdessen wurde auf Lösungen zurückgegriffen, die regelbasierte Ansätze verwenden.
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[38]Für die Angaben zu besonderen Einbänden wurden im Katalog einheitliche Abkürzungen verwendet, die in der Praefatio (Selecta Bibliotheca Philologica 1736, unpaginiert) erklärt sind. Allerdings finden sich dort nicht alle im Katalog zu findenden Abkürzungen. Die Fehlenden ließen sich aber über einen weiteren Auktionskatalog der im selben Zeitraum wie das Lakemacher-Verzeichnis in Helmstedt bei Drimborn erschien. Vgl. Bytemeister (Hg.) 1737, fol. )(2r.
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[39]Demnach entsprach ein Taler 24 Groschen, ein Groschen 12 Pfennigen. Vgl. Fengler et al. 1982, S. 250, 360.
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[40]
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[41]Beyer et al. 2017, S. 44f.
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[42]Vgl. oben Anm. 1.
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[43]Zitate von Magnus Wieland, hier nach Beyer et al. 2017, S. 45.
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[44]Vgl. oben Abbildung 1, Nr. 18/19 und 32/33. Dabei ging es offenbar nicht darum, ob ein Werk in mehreren Bänden erschienen war, sondern wie Lakemacher es hatte binden lassen. So konnten mehrbändige Werke auch nur unter einer Losnummer auftauchen, also wohl zusammengebunden sein, oder die Anzahl der Losnummern konnte von der Anzahl der angegebenen Bände abweichen. Dies war durchaus zeitüblich, da neue Bücher in der Regel ungebunden gekauft und anschließend zu einem Buchbinder zum Binden gegeben wurden.
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[45]»Ad argumentum quidem quod attinet, libri plurimam partem sunt philologici: admixti tamen & alii, ad philosophiam, theologiam & reliquas disciplinas pertinentes.«Selecta Bibliotheca Philologica 1736, Praefatio (unpaginiert). Sämtliche Übersetzungen aus dem Lateinischen stammen von mir.
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[46]»Collectio dissertationum, inprimis philologicarum, quibus bibliotheca haec abundat, tam selecta & exquisite etiam est, ut fere dubitemus, an multae bibliothecae reperiantur, quae hac in parte nostrum superent.«Selecta Bibliotheca Philologica 1736, Praefatio (unpaginiert)
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[47]Vgl. Marti 2011.
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[48]Helmstädt 1736, S. 756.
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[49]Helmstädt 1736, S. 757.
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[50]Helmstädt 1736, S. 756.
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[51]Die 15 Autoren von Dissertationen, die mehr als zehnmal genannt werden, sind (mit Anzahl der Nennungen und biographischen Daten in Klammern): Johann Frischmuth (37; 1619–1687, Professor der giechischen und orientalischen Sprachen in Jena), Christoph Cellarius (30; 1638–1707, Professor für Rhetorik und Geschichte in Halle), Franz Wockenius (27; 1685–1734, Professor der orientalischen Sprachen in Wittenberg), Hermann von der Hardt (23; 1660–1746, Professor für orientalische Sprachen und Universitätsbibliothekar in Helmstedt), Jonas Conrad Schramm (23; 1675–1739, Theologieprofessor in Helmstedt), Johann Christoph Wichmannshausen (20; 1663–1727, Professor der griechischen und orientalischen Sprachen in Wittenberg), Johann Lorenz von Mosheim (20; 1693–1755, Theologieprofessor in Helmstedt und dann Göttingen), Gustav Georg Zeltner (19; 1672–1738, Professor für Theologie und orientalische Sprachen in Altdorf), Christian Gottlieb Schwarz (18; 1675–1751, Professor für Poesie, Rhetorik und Geschichte in Altdorf), Cornelius Dietrich Koch (13; 1676–1724, Professor für Logik und Metaphysik, dann Theologie und Moral in Helmstedt), Johann Andreas Schmid (13; 1652–1726, Professor für Kirchengeschichte in Helmstedt), Christian Breithaupt (11; 1689–1749, Professor Logik und Metaphysik, dann Rhetorik und Poesie in Helmstedt), Gottlieb Samuel Treuer (11; 1683–1743, Professor für Moral und Politik in Helmstedt, dann Göttingen), Joachim Hildebrand (11; 1623–1691, Theologieprofessor in Helmstedt). Zusammengenommen sind sie die Autoren von 289 Dissertationen, was etwa einem Viertel der 1150 Dissertationen entspricht.
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[52]Vgl. Winnerling 2021, S. 488–492; Lakemacher 1734, fol. )(5v; Klotz (Hg.) 1770, S. 323–324 (Lakemacher an Gesner, 22. April 1733).
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[53]Vgl. Ben-Tov 2018, S. 302 (mit Anm. 19); Löffler 2020, S. 104; außerdem Helmstädt 1723a, S. 199 und Helmstädt 1723b, S. 734.
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[54]Vgl. Klotz (Hg.) 1770, S. 323–332.
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[55]Nach Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf gehörten Gesner und Fabricius zu einer Gruppe klassischer Philologen, von denen »ein jeder ein Stern von eigenem Lichte war«. (Wilamowitz-Moellendorf 1959, S. 41)
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[56]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 26, 109, 133.
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[57]Vgl. Crolijk / van Leeuwen 2014, S. 66–72.
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[58]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 109, 118.
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[59]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 122, 166.
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[60]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 140. Lakemacher erhielt die Ausgabe offenbar direkt von Gesner und bedankte sich für die Zusendung in einem Brief vom 30. Mai 1731. Vgl. Klotz (Hg.) 1770, S. 331.
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[61]Vgl. Wilamowitz-Moellendorff 1959, S. 42.
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[62]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 131; Klotz (Hg.) 1770, S. 325.
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[63]
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[64]Vgl. Wilamowitz-Moellendorf 1959, S. 28–49; Muhlack 1985; Ebert / Hanstein (Hg.) 2005; Ben-Tov 2015.
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[65]Dies gilt selbstredend auch für die Orientalistik. Ein Indikator für die Rezeption ausländischer gelehrter Literatur in Deutschland sind die zahlreichen gelehrten Journale des 18. Jahrhunderts, die zum Großteil Rezensionen enthalten. Sie sind über die Datenbank Gelehrte Journale und Zeitungen als Netzwerke des Wissens im Zeitalter der Aufklärung (GJZ18) mustergültig erschlossen und lassen sich entsprechend auswerten.
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[66]Die Nachkontrolle erfolgte zunächst mit Blick auf Plausibilität, da insbesondere bei sehr kurzen Titeleinträgen zum Teil Sprachen ermittelt wurden, die aufgrund der meist lateinischen Buchtitel nicht richtig ermittelt worden sein konnten, etwa Esperanto oder Swahili. Ferner wurden Textteile in hebräischer Schrift nicht aufgenommen, sondern summarisch mit »[hebräischer Text]« gekennzeichnet. Da hier in der Regel Deutsch als Sprache erkannt wurde, musste auch dies entsprechend angepasst werden.
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[67]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 1. Küster wurde von Richard Bentley (1662–1742) gefördert, dem wohl bedeutendsten klassischen Philologen um 1700. Dieser trug auch zu Küsters Aristophanes-Edition bei. Vgl. Brink 1997, S. 46f. und 84f.; Haugen 2010, S. 124.
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[68]Lakemacher besaß die zweite Auflage von 1588. Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 6. Henricus Stephanus (oder Henri Estienne) war einer der bedeutendsten französischen Philologen und Drucker des 16. Jahrhunderts. Viele seiner Ausgaben blieben bis in das 19. Jahrhundert maßgeblich und für die Werke Platons sind die Seiten-und Abschnittszählung seiner dreibändigen Edition von 1578 bis heute die Standardzitierweise. Auch seine Thukydides-Edition, die die lateinische Übersetzung des Humanisten Lorenzo Valla (1405–1457) enthielt, gilt noch heute als gut. Vgl. Wilamowitz-Moellendorff 1959, S. 24–25; Hornblower 2010, S. 936; Schreiber 2010.
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[69]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 94, 103, 149–150, 184.
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[70]Vgl. Frobesius 1736, fol. A4v; oben Abschnitt 2.2.
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[71]Siehe besonders Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 166–182.
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[72]Zu nennen sind hier besonders Werke zum Pentateuch von Isaak Abrabanel (1437–1508). Vgl. Frobesius 1736, fol. B1r.
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[73]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 37, 40, 50, 166–168, 170, 172, 182.
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[74]Vgl. Mulsow 2022, S. 388–397.
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[75]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 11, 167. Zu Ludolf vgl. Ben-Tov et al. (Hg.) 2024.
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[76]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 137.
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[77]Vgl. Mulsow 2022, S. 396-397.
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[78]Selecta Bibliotheca Philologica 1736 1736, S. 25, 126. Tausende Pfälzer, für die die Kurtze Anleitung zur Englischen Sprache bestimmt war, waren 1709 und 1010 als religiös Verfolgte nach England gekommen und wurden von dort größtenteils in die englischen Kolonien in Nordamerika (besonders Pennsylvania) weiterbefördert. Vgl. Clark 1934, S. 228, 330–331.
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[79]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 122.
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[80]Vgl. Mulsow 2022; Renn 2022, besonders S. 485–545.
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[81]Vgl. Frobesius 1736, fol. B2v.
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[82]
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[83]Vgl. Arnold 2010, S. 272.
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[84]Vgl. Gebauer 1981, S. 97–99.
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[85]
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[86]Feuerstein-Herz 2024, S. 231–232.
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[87]Vgl. Schunke 1978, S. 6–11.
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[88]Feuerstein-Herz 2024, S. 232-233. Das Zitat stammt ursprünglich von Andreas Reckwitz.
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[89]Feuerstein-Herz 2024, S. 234.
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[90]Vgl. oben Anm. 38; außerdem mit weiteren Beispielen bereits aus dem 17. Jahrhundert Gebauer 1981, S. 94–95.
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[91]Feuerstein-Herz 2024, S. 234.
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[92]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 188 (handschriftliche Ergänzungen im Exemplar der SUB Göttingen: 8 HLL XI, 2371).
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[93]Insgesamt wurden 41 Angaben zu Druckorten in den 33 Einträgen dieser Kategorie ermittelt. In diesen wurde vierzehnmal Venedig genannt und fünfmal Amsterdam, ebenso oft wie Frankfurt am Main als häufigster deutscher Druckort. Viermal findet sich Basel, zweimal Sabionetta, Hanau und Berlin, jeweils einmal Padua, Wilmersdorf, Krakau, Wernigerode, Bologna, Sulzbach und Leipzig.
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[94]In den meisten frühneuzeitlichen Privatbibliotheken waren Bücher im Oktavformat am häufigsten vertreten. Vgl. die unter https://bibliotheksrekonstruktion.hab.de/ aufgeführten Beispiele.
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[95]Vgl. oben Anm. 67.
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[96]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 188. Für die Käufer siehe die gegenüberliegende eingeschossene Seite im Wolfenbütteler Exemplar (HAB: M: Bc 1182). Vgl. auch Koldewey 1895, S. 114.
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[97]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, unpaginiert (Praefatio).
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[98]Beispiele hierfür sind drei Bände in der HAB mit den Signaturen A: 271.2 Hist. 2° (2) (zum Einband siehe das Digitalisat), H: B 108c.4° Helmst. und H: B 108b.4° Helmst.
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[99]Diese Abkürzungen ließen sich anders als die übrigen nicht auflösen. Es scheint sich aber, den Preisen nach zu urteilen, um eine relativ hochwertige Einbandart gehandelt zu haben.
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[100]Diese Bände waren mit der Abkürzung »S. B.« oder nur »S.« gekennzeichnet (Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 1–2, 116). Dies könnte theoretisch auch für Schweinslederband bzw. nur Schweinsleder stehen, doch spricht die Seltenheit dieser Einbandart und der relativ hohe Preis der Bücher dagegen.
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[101]Unberücksichtigt blieben hier die in der letzten Kategorie des Katalogs aufgeführten Bände, unter denen sich ebenfalls viele ungebundene Bücher befanden. Auch sie waren tendenziell billiger als der Durchschnittspreis, wie aus Tabelle 2 hervorgeht.
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[102]Vgl. einführend Schunke 1978; Marwinski 2006.
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[103]Vgl. Rehbein 2017, S. 337; Lemercier / Zalc 2019, S. 75–78.
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[104]Vgl. Feuerstein-Herz 2024, S. 238–240.
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[105]Vgl. Harding 2024b.
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[106]Vgl. Beyer 2016, S. 84.
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[107]Vgl. Harding 2024a, S. 187–189.
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[108]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, unpaginiert (Praefatio). Kurze biographische Skizzen zu den Kollegen Lakemachers sind im VFR-Labor zur Fallstudie zu finden.
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[109]Harding 2024a, S. 192.
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[110]Ein Buch wurde zudem an die Universitätsbibliothek Helmstedt abgegeben. Diese Abgabe erfolgte wohl aufgrund folgender Festlegung: Anordnung, dass von ab-und zuziehenden Professoren und Promovierten der Universität Helmstedt, auch von deren Auktionen, künftig der Universitätsbibliothek je ein Buch abzugeben sei, 1731–1787, NLA WO: 2 Alt, Nr. 16258. Ferner ließen sich für vier Personen weder Wohnort noch Berufsstand eindeutig bestimmen, sodass sie im Folgenden weitgehend unbeachtet bleiben. Allgemein zum Publikum bei Buchauktionen vgl. auch Gebauer 1981, S. 88–90.
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[111]Selecta Bibliotheca Philologica 1736, S. 188. Für die Käufer siehe die gegenüberliegende eingeschossene Seite im Wolfenbütteler Exemplar (HAB: M: Bc 1182). Bei den Studenten handelte es sich um August Wilhelm Sartorius, August Gesenius und Johann Heinrich Dencker.
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[112]Vgl. auch die interaktive Version der Visualisierung auf der Projektseite.
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[113]Überhaupt ist der Gebrauchtbuchhandel abseits der Buchauktionen bisher von der Forschung kaum systematisch erforscht worden. Vgl. Lehmstedt 2025.
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[114]Vgl. Gaber et al. (Hg.) 2024.
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[115]Zum Begriff des Objektitinerars vgl. Siebenhüner 2017. Alternativ ist in manchen Publikationen auch von Objekt- bzw. Buchbiographien die Rede, doch sind damit theoretische Implikationen verknüpft, die es sinnvoller erscheinen lassen, hier von Itineraren zu reden. Vgl. Gleixner et al. (Hg.) 2017. Eine interaktive Visualisierung der Bücheritinerare ist zu finden in Münkner et al. 2024, hier: Bücherbiographien.
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[116]So befindet sich in der SUB Göttingen etwa ein durchschossenes Exemplar des Auktionskatalogs zur Bibliothek von Johann Lorenz von Mosheim von 1756 (Signatur: 8 HLL XI, 2750 RARA). Zur Bibliothek Mosheims vgl. auch Häfner / Mulsow 1997.
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[117]Zur Sammlung der im Netzwerk visualisierten Daten wurde ein XSLT-Skript geschrieben, dass auf der Basis der GND-Ansetzungen der identifizierten Personen Daten zu den Publikationen, an denen die Personen als Autoren, Beiträger oder Verleger beteiligt waren, aus dem VD 18, dem GVK und dem OPAC der HAB sowie zu den Briefen, deren Absender oder Empfänger sie waren, aus Kalliope extrahiert. Dies erfolgte jeweils über die SRU-Schnittstellen der Datenbanken. Dabei wurden nicht sämtliche bibliografische Metadaten in einer angereicherten XML-Datei mit Personendaten gespeichert, sondern zu jeder Person nur die datenbankspezifischen eindeutigen Identifier der Dokumente. Das genügt bereits, um ein erstes, relativ einfaches, aber dennoch aussagekräftiges bimodales Netzwerk zu modellieren und mit Gephi zu visualisieren. Das Verfahren hat zudem den Vorteil, dass es unterschiedlichen Katalogisierungsrichtlinien resultierende Dissonanzen zwischen den Daten ausblendet, die sonst erst mühsam angeglichen werden müssten.
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[118]So ergab eine Durchsicht des Briefwechsels zwischen Johann Arnold Ballenstedt und Hermann von der Hardt aus den Jahren 1736/37 (HAB: Cod. Guelf. 196.3 Extrav.) keine Bezugnahme auf die Lakemacher-Auktion, obwohl beide als Käufer auf der Versteigerung auftraten.
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[119]
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[120]Gebauer 1981, S. 88.
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[121]Gebauer 1981, S. 88.
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[122]Vgl. Gebauer 1981, S. 88.
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[123]Gebauer führt sie unter den sonstigen Gelehrten mit auf, ohne dass sie bei ihm besonders prominent wären (Gebauer 1981, S. 89–90). Vgl. aber bereits Streich 1977.
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[124]Zur Rolle von Buchhändlern auf Auktionen vgl. auch Gebauer 1981, S. 88
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[125]Vgl. Weis 2022.
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- Johann Gottfried Lakemacher: Antiqvitates Graecorvm Sacrae. Helmstedt 1734. [Nachweis im GVK]
- Joh. Gothofr. Lakemacheri Prof. LL. Oriental. In Acad. Julia Quondam Ordinarii Et Celeberrimi Selecta Bibliotheca Philologica, Libros In Qualibet Philologiae Parte Insigniores Aeque Ac Rariores Complectens; Quae Publicae Auctionis Ritu Helmstadii Anno MDCCXXXVII. Die XIX. Januarii Et Sequentibus Horis ... Pro Parata Pecunia Inter Plus Licitantes Distrahetur. Helmstedt 1736.
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- Mark Lehmstedt: Der zweite Buchmarkt. Der Leipziger Gebrauchtbuchhandel im 17. und 18. Jahrhundert. 2 Bde. Leipzig 2025. [Nachweis im GVK]
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- Ulrich Muhlack: Klassische Philologie zwischen Humanismus und Neuhumanismus. In: Rudolf Vierhaus (Hg.): Wissenschaften im Zeitalter der Aufklärung. Göttingen 1985, S. 93-119. [Nachweis im GVK]
- Martin Mulsow: Überreichweiten. Perspektiven einer globalen Ideengeschichte. Berlin 2022. [Nachweis im GVK]
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- Jörn Münkner: Soweit der Faden reicht: Mit Katalogen die Provenienz von Büchern ermitteln. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 46 (2021), H. 1, S. 186–199. HTML / PDF. DOI: 10.1515/iasl-2021-0011
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- Jörn Münkner: Papierfestungen von Johann Oswald Harms und Leonhard Christoph Sturm. In: Christoph Schmälzle / Manuel Schwarz (Hg.): Wohnen – Sammeln – Erinnern – Visualisieren. Raumpraktiken gestern und heute (= Kulturen des Sammelns. Akteure, Objekte, Medien, 7). Göttingen 2024, S. 97–104. HTML / PDF. DOI: 10.15499/kds-007-009
- Jörn Münkner: Eine Bibliothek verschwindet. Die Büchersammlung des Leonhard Christoph Sturm (1669–1719). In: Sven Limbeck / Volker Bauer / Peter Burschel / Petra Feuerstein-Herz / Johannes Mangei / Hole Rößler (Hg.): Die Herzog August Bibliothek. Eine Sammlungsgeschichte, 2 Bde.. Wolfenbüttel 2025 (im Erscheinen).
- Jörn Münkner / Maximilian Görmar / Joëlle Weis (Hg.): Sammlung und Netz. Theoretische und praxeologische Implikationen (= Kulturen des Sammelns. Akteure, Objekte, Medien, 6). Göttingen 2024. HTML / PDF. DOI: 10.15499/kds-006
- Jörn Münkner / Katrin Schmidt / Maximilian Görmar / Rebecca Sperl: Johann Gottfried Lakemacher (1695–1736), seine Professorenbibliothek und ihre Auflösung. Marbach u. a. 2024. HTML. [online]
- Paul Raabe: Bibliotheken und gelehrtes Buchwesen. Bemerkungen über die Büchersammlungen der Gelehrten im 17. Jahrhundert. In: Sebastian Neumeister / Conrad Wiedemann (Hg.): Res Publica Litteraria. Die Institutionen der Gelehrsamkeit in der frühen Neuzeit. Wiesbaden 1987, S. 643–661. [Nachweis im GVK]
- Paul Raabe: Bibliothekskataloge als buchgeschichtliche Quellen. Bemerkungen über gedruckte Kataloge öffentlicher Bibliotheken in der frühen Neuzeit. In: Paul Raabe: Tradition und Innovation. Studien und Anmerkungen zur Bibliotheksgeschichte. Frankfurt / Main 2013, S. 69–89. [Nachweis im GVK]
- Thomas Rastig: Der kollektive Mensch. Die Prosopografie als Methode der Sozialgeschichte. In: Robert Friedrich / Sven Jaros / Elisa Satjukow / Katharina Seibert / Stefanie Wiehl (Hg.): Doing History. Praxisorientierte Einblicke in Methoden der Geschichtswissenschaften. Leipzig 2018, S. 111–119. PDF. URN: urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-210937
- Malte Rehbein: Informationsvisualisierung. In: Fotis Jannidis / Hubertus Kohle / Malte Rehbein (Hg.): Digital Humanities. Eine Einführung. Stuttgart 2017, S. 328–342. [Nachweis im GVK]
- Caren Reimann / Joëlle Weis (Hg.): Unbezahlbar? Vormoderne Sammlungsökonomie. Göttingen 2024. HTML / PDF. DOI: 10.15499/kds-008
- Jürgen Renn: Die Evolution des Wissens. Eine Neubestimmung der Wissenschaft für das Anthropozän. Berlin 2022. [Nachweis im GVK]
- Maria Schmiegelt-Unland: Die Bibliothek des Freiherrn Wolfgang Heribert von Dalberg (1750–1806). Studien zum Auktionskatalog als literarhistorische Quelle. Wolfenbüttel 2024. [Nachweis im GVK]
- Flemming Schock: Bücher in Bewegung. Bibliotheken und Auktionen in den Gelehrten Journalen des 18 Jahrhunderts. In: Katrin Löffler (Hg.): Wissen in Bewegung. Gelehrte Journale, Debatten und der Buchhandel der Aufklärung. Stuttgart 2020, S. 75–90. [Nachweis im GVK]
- Fred Schreiber: Estienne, Henri II (Henricus Stephanus). In: Anthony Grafton / Glenn W. Most / Salvatore Settis (Hg.): The Classical Tradition. Cambridge, MA u. a. 2010, S. 330-331. [Nachweis im GVK]
- Ilse Schunke: Einführung in die Einbandbestimmung. Dresden 1978. [Nachweis im GVK]
- Kim Siebenhüner: Die Mobilität der Dinge. Ansätze zur Konzeptualisierung für die Frühneuzeitforschung. In: Anette Caroline Cremer / Martin Mulsow (Hg.): Objekte als Quellen der historischen Kulturwissenschaften. Stand und Perspektiven der Forschung. Köln u. a. 2017, S. 35–46. [Nachweis im GVK]
- Carl Gustav Adolf Siegfried: Lakemacher, Johann Gottfried. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 17 (1883), S. 528-529. HTML. [online]
- Gerhard Streich: Die Büchersammlungen der Göttinger Professoren im 18. Jahrhundert. In: Paul Raabe (Hg.): Öffentliche und Private Bibliotheken im 17. und 18. Jahrhundert. Raritätenkammer, Forschungsinstrumente oder Bildungsstätten? Bremen u. a. 1977, S. 241–299. [Nachweis im GVK]
- Arnoud Crolijk / Richard van Leeuwen: Arabic Studies in the Netherlands. A Short History in Portraits, 1580–1950. Leiden/Boston 2014. [Nachweis im GVK]
- Joëlle Weis: Praktiken im Netzwerk: Historisch-kritische Gelehrte und ihre »Community of Practice«. In: Thomas Assinger / Daniel Ehrmann (Hg.): Gelehrsamkeit(en) im 18. Jahrhundert. Autorisierung – Darstellung – Vernetzung. Heidelberg 2022, S. 233-249. [Nachweis im GVK]
- Joëlle Weis: Wie geht Sammlungsforschung? Bericht einer Anfängerin. In: Peter Burschel / Ulrike Gleixner / Timo Steyer / Marie von Lüneburg (Hg.): Forschen in Sammlungen. Dynamiken, Transformationen, Perspektiven. Göttingen 2024, S. 121–135. [Nachweis im GVK]
- Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf: Geschichte der Philologie. Leipzig 1959 [1921]. [Nachweis im GVK]
- Tobias Winnerling: Das Entschwinden der Erinnerung. Vergessen-Werden im akademischen Metier zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert. Göttingen 2021. [Nachweis im GVK]
- Reinhard Wittmann (Hg.): Bücherkataloge als buchgeschichtliche Quellen in der frühen Neuzeit. Wiesbaden 1984. [Nachweis im GVK]
- Heide Wunder: Helmstedter Professorinnen. Zur Konstituierung des Professorenstandes. In: Jens Bruning / Ulrike Gleixner (Hg.): Das Athen der Welfen. Die Reformuniversität Helmstedt 1576–1810. Wolfenbüttel 2010, S. 152–159. [Nachweis im GVK]
- Heide Wunder: Die Professorin als Universitätsbürgerin. In: Helwig Schmidt-Glintzer (Hg.): Die Reformuniversität Helmstedt 1576–1810. Vorträge zur Ausstellung »Das Athen der Welfen«. Wiesbaden 2011, S. 141–171. [Nachweis im GVK]
- Holger Zaunstöck: Sozietätslandschaft und Mitgliederstrukturen. Die mitteldeutschen Aufklärungsgesellschaften im 18. Jahrhundert. Tübingen 1999. [Nachweis im GVK]
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
- Abb. 1: Doppelseite aus dem durchschossenen Katalog zur Lakemacher-Auktion. [Digitalisat: Wolfenbütteler Digitale Bibliothek, M: Bc 1182, S. 2 und durchschossene Seite]
- Abb. 2: Erscheinungsjahre der Auktionskataloge im Bestand der HAB aufgeschlüsselt nach Jahrzehnten. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Abb. 3: Erscheinungsjahre der in Helmstedt erschienen Auktionskataloge im Bestand der HAB aufgeschlüsselt nach Jahrzehnten. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Tab. 1: Übersicht über die Gliederungskategorien im Lakemacherkatalog sowie die Anzahl ihrer jeweiligen Einträge und Auktionslosnummern.
- Abb. 4: Erscheinungsjahre der Titel im Lakemacher-Auktionskatalog. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Abb. 5: Druckorte der Titel im Lakemacher-Auktionskatalog; gestrichelte Linie: Grenze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1648. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit QGIS]
- Abb. 6: Sprachverteilung der Titel im Lakemacherkatalog. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Tab. 2: Übersicht über die für die Katalogkategorien jeweils erzielten Erlöse und Durchschnittspreise pro Eintrag.
- Tab. 3: Übersicht über die im Lakemacherkatalog verzeichneten Einbandarten sowie die pro Einbandart erzielten Erlöse und Durchschnittspreise pro Buch.
- Abb. 7: Scatterplot zum Verhältnis von Druckjahr und Preis eines Buches. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Abb. 8: Anzahl der Käufer auf der Lakemacher-Auktion aufgeschlüsselt nach Stand / Beruf und Wohnort zum Zeitpunkt der Auktion. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Abb. 9: Gesamtzahl der gekauften Bücher auf der Lakemacher-Auktion aufgeschlüsselt nach Stand / Beruf und Wohnort zum Zeitpunkt der Auktion. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Abb. 10: Gesamtpreis der gekauften Bücher auf der Lakemacher-Auktion aufgeschlüsselt nach Stand / Beruf und Wohnort zum Zeitpunkt der Auktion. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Abb. 11: Scatterplot zur Korrelation von Gesamtpreis und Anzahl der gekauften Bücher pro Person auf der Lakemacher-Auktion aufgeschlüsselt nach Stand / Beruf zum Zeitpunkt der Auktion. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Abb. 12: Itinerare der noch existierenden und nachweisbaren Bücher aus der Bibliothek Lakemachers (außerhalb des Kartenausschnitts: Kopenhagen). [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]
- Abb. 13: Brief- und Publikationsnetzwerk Lakemachers und der Käufer auf seiner Auktion untereinander. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Gephi]


![Abb. 1: Doppelseite aus dem
durchschossenen Katalog zur Lakemacher-Auktion. [Digitalisat: Wolfenbütteler
Digitale Bibliothek, M: Bc 1182, S.
2 und durchschossene Seite]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_001.jpg)
![Abb. 2: Erscheinungsjahre der
Auktionskataloge im Bestand der HAB aufgeschlüsselt nach Jahrzehnten.
[Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_002.jpg)
![Abb. 3: Erscheinungsjahre der in
Helmstedt erschienen Auktionskataloge im Bestand der HAB aufgeschlüsselt
nach Jahrzehnten. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_003.jpg)
![Abb. 4: Erscheinungsjahre der Titel
im Lakemacher-Auktionskatalog. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit
Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_004.jpg)
![Abb. 5: Druckorte der Titel im
Lakemacher-Auktionskatalog; gestrichelte Linie: Grenze des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation 1648. [Grafik: Maximilian Görmar 2025,
erstellt mit QGIS]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_005.jpg)
![Abb. 6: Sprachverteilung der Titel
im Lakemacherkatalog. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_006.jpg)
![Abb. 7: Scatterplot zum Verhältnis
von Druckjahr und Preis eines Buches. [Grafik: Maximilian Görmar 2025,
erstellt mit Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_007.jpg)
![Abb. 8: Anzahl der Käufer auf der
Lakemacher-Auktion aufgeschlüsselt nach Stand / Beruf und Wohnort zum
Zeitpunkt der Auktion. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_008.jpg)
![Abb. 9: Gesamtzahl der gekauften
Bücher auf der Lakemacher-Auktion aufgeschlüsselt nach Stand / Beruf und
Wohnort zum Zeitpunkt der Auktion. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt
mit Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_009.jpg)
![Abb. 10: Gesamtpreis der gekauften
Bücher auf der Lakemacher-Auktion aufgeschlüsselt nach Stand / Beruf und
Wohnort zum Zeitpunkt der Auktion. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt
mit Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_010.jpg)
![Abb. 11: Scatterplot zur
Korrelation von Gesamtpreis und Anzahl der gekauften Bücher pro Person auf
der Lakemacher-Auktion aufgeschlüsselt nach Stand / Beruf zum Zeitpunkt der
Auktion. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_011.jpg)
![Abb. 12: Itinerare der noch
existierenden und nachweisbaren Bücher aus der Bibliothek Lakemachers
(außerhalb des Kartenausschnitts: Kopenhagen). [Grafik: Maximilian Görmar
2025, erstellt mit Plotly]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_012.jpg)
![Abb. 13: Brief- und
Publikationsnetzwerk Lakemachers und der Käufer auf seiner Auktion
untereinander. [Grafik: Maximilian Görmar 2025, erstellt mit Gephi]](https://www.zfdg.de/sites/default/files/medien/lakemacher_013.jpg)