DOI: 10.17175/sb009_001
Nachweis im OPAC der Herzog August Bibliothek: 1982262966
Erstveröffentlichung: 30.09.2026
Letzte Überprüfung aller Verweise: 26.08.2026
GND-Verschlagwortung: Digital Humanities | Generative Künstliche Intelligenz | Kulturerbe | Wissensextraktion
Empfohlene Zitierweise: Gerrit Brüning / Sarah Oberbichler / Cindarella Petz / Pia Schwarz: (Generative) KI für Kultur- und Textdaten. Vorwort. In: Gerrit Brüning / Sarah Oberbichler / Cindarella Petz / Pia Schwarz (Hg.): (Generative) KI für Kultur- und Textdaten (= Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften / Sonderbände, 9). Wolfenbüttel 2026. 30.09.2026. HTML / XML / PDF. DOI: 10.17175/sb009_001
[1]Als im Frühjahr 2024 die Planung des Workshops »(Generative) KI für Kultur- und Textdaten« begann, befand sich das Feld geisteswissenschaftlicher KI-Anwendungen in einem Übergangsstadium: zu dynamisch, um ignoriert zu werden, zu jung, um als etabliertes Forschungsfeld zu gelten. Seitdem durchläuft ihre Integration in die Geisteswissenschaften Phasen der Erprobung, Implementierung und kritischen Reflexion. Zunächst ersetzten KI-Modelle vor allem bestehende Werkzeuge der quantitativen Analyse oder ergänzten diese. Die Vielfalt möglicher Anwendungen auf verschiedenen Stufen des Forschungsprozesses ebenso wie die Relevanz jüngster Weiterentwicklungen wie Retrieval Augmented Generation (RAG) waren hier bereits erkennbar, und leistungsfähige multimodale Modelle (Gemini 1.5, GPT-4o) – entscheidend für geisteswissenschaftliche Forschung jenseits textbasierter Domänen – wurden für die Forschung verfügbar. Generative KI war damit in den Digital Humanities angekommen: Wiederkehrende Arbeitsschritte werden zunehmend automatisiert, und das Feld beginnt, sich auf qualitative Forschung in bislang undenkbarem Umfang auszuweiten. Dennoch sind viele Fragen der weiteren Entwicklung noch offen. Angesichts dieser Dynamik entstand innerhalb der DH-Community das Bedürfnis nach institutioneller Verankerung und koordiniertem Austausch. Durch die Gründung der DHd-AG »Angewandte Generative KI in den Digitalen Geisteswissenschaften« (AGKI-DH) wurden diese Entwicklungen auch institutionell sichtbar, und die AG wuchs rasch zu einem zentralen Forum für den Austausch über generative KI in den digitalen Geisteswissenschaften an.
[2]Vor diesem Hintergrund trat der Vorstand des DHd-Verbands an die AGKI-DH mit dem Vorschlag eines interdisziplinären Workshops heran. Dieser fand am 4. und 5. November 2024 am Goethe- und Schiller-Archiv der Klassik Stiftung Weimar statt, gemeinschaftlich ausgerichtet in Kooperation des DHd-Vorstands und der AGKI-DH und finanziell ermöglicht vom Konsortium NFDI4Culture unter Einsatz der Community-Mittel des DHd-Verbands.[1] Der DHd-Vorstand hielt zudem eigene Mittel des Verbands im Rahmen der AG-Förderung bereit. Konzeption und Planung lagen bei Gerrit Brüning und Christopher Pollin, Organisation und Leitung bei Gerrit Brüning. Im Vorfeld beteiligt war zudem Sarah Oberbichler. Die Herausgeber*innen danken dem DHd-Verband, dem Konsortium NFDI4Culture sowie dem Goethe- und Schiller-Archiv für die großzügige Unterstützung des Workshops.
[3]Das Programm des Workshops bildete ein breites thematisches Spektrum und auch die angestrebte disziplinäre Vielfalt ab: von Ontologieentwicklung, Named Entity Recognition und -Linking, Extraktion von historischen Informationen, Explainable Artificial Intelligence in der Kunstgeschichte, Provenienzforschung und Wissensgraphen über Erörterungen zu den Implikationen der Begriffe ›Interpretation‹, ›Bedeutung‹ und ›Modell‹ bis hin zu Rechtsfragen und den Themen Verantwortung, Ethik und Bildungsprozesse.[2] Substanzielle Ausschnitte dieses Themenspektrums dokumentiert der vorliegende ZfdG-Sonderband in aktualisierter Form, ergänzt um zusätzliche Beiträge. Sowohl der Inhalt des Bands als auch das Programm des Workshops verweisen auf eine Koexistenz von praktischen Anwendungen und daran geknüpften methodischen Überlegungen einerseits sowie stärker theoretisch reflektierenden Fragestellungen andererseits. Die Gesamtheit der anwendungsorientierten Beiträge des Workshops machen die Vielzahl und Größe der Herausforderungen beim Einsatz von generativer KI zu Forschungszwecken deutlich. Hierin liegt möglicherweise auch begründet, dass der konzeptuelle und kritische KI-Diskurs innerhalb der deutschsprachigen DH-Community noch nicht voll entwickelt ist. Trotz ausgeprägten kritischen Bewusstseins für bestimmte Folgeprobleme, Fehlentwicklungen und Risiken sind die direkten epistemischen Implikationen der KI-Entwicklung für die Digital Humanities noch nicht voll erfasst und verstanden. Aus dieser Perspektive betrachtet beleuchtet dieser Sonderband schlaglichtartig einzelne Sparten und zugleich den Gesamtzustand eines sich schnell entwickelnden Feldes.
[4]Im Juli 2026
Gerrit Brüning, Sarah Oberbichler, Cindarella Petz und Pia Schwarz
Fußnoten
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[1]Vgl. den Bericht von Brüning 2024.
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[2]Zu Programm und Abstracts des Workshops vgl. AG Angewandte Generative KI in den Digitalen Geisteswissenschaften (AGKI-DH) (Hg.) 2024.
Bibliografische Angaben
- AG Angewandte Generative KI in den Digitalen Geisteswissenschaften (AGKI-DH) (Hg.): Workshop (Generative) KI für Kultur- und Textdaten. 2024. HTML. [online]
- Gerrit Brüning: Bericht zum Workshop »(Generative) KI für Kultur- und Textdaten«, 4. und 5. November 2024, Goethe- und Schiller-Archiv, Weimar. In: Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (Hg.): DHd-Blog – Digital Humanities im deutschsprachigen Raum. 18.12.2024. HTML. [online]

