Gutachten 1 für Mähr et al. 2026

Gutachten vom 18.08.2026

Empfohlene Zitierweise: Anonym: Gutachten zu Moritz Mähr / Lucas Federer / Magda Kaspar: Sexueller Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche in der Schweiz. Aufbau einer partizipativen, iterativen und sicheren Forschungsdatenbank. In: Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften. 18.08.2026. DOI: 10.17175/2026_006_r1

Inhalt und Aufbau des Beitrags

☑ Es werden klare Arbeitshypothesen vorgetragen.
☑ Es wird eine sinnvolle Eingrenzung der Thematik vorgenommen.
☑ Die verwendeten Methoden werden angemessen vorgestellt.
☑ Die eigene methodische Vorgehensweise wird angemessen reflektiert.
☑ Es gibt eine nachvollziehbare Argumentationsführung.
☑ Die gesetzten Ziele werden eingelöst.
☑ Die Forschungslage wird angemessen berücksichtigt.

★★★★★★★
Inhaltliche Qualität
Gute Arbeit mit Bedeutung
★★★★☆
Bedeutung für Theorie oder Praxis
Herausragende Bedeutung
★★★★★
Originalität und Innovationsgrad
Eine wegbereitende Arbeit
★★★★☆
Qualität der Darstellung (Aufbau, Sprache / Stil)
Gut geschrieben

Kommentar: Gut bis sehr gut geschrieben

★★★★☆
Gesamturteil des eingereichten Beitrags

Annehmen (gute Qualität)

Ampel auf gruen
Schlusskommentar

Der Artikel behandelt ein hochbrisantes Themenfeld — eines historischen Überblicks des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in der Schweiz seit den 1950er Jahren auf Basis von vielfältigen Quellentypen und Zeitzeug*innenberichten und leistet einen wichtigen Beitrag zur Bedeutung des Forschungsdatenmanagements in den DH und der Anerkennung einer hochspezialisierten Datenbank-Infrastruktur als epistemisches Instrument und „formalisierte Hypothese über die Struktur des zu untersuchenden Phänomens“, welche nachfolgenden Analysen prägt und ermöglicht/verunmöglicht. Dabei veröffentlichen die Autor:innen vorbildhaft ihre zugrundelegenden Überlegungen, Daten (so weit möglich) und Infrastruktur selbst und bieten angemessene Überlegungen zur Modellierung von Informationsstabilität bzgl. Gewissheits-/Wahrheitsgraden von Evidenz. Neben einigen kleineren Kritikpunkten (s.u.), ist mEn der Rechtfertigungsdruck des Aufsatzes auffallend, welcher sich an vielen Stellen seiner eigenen Berechtigung für all des Aufwandes versichert mit zahlreichen Verweisen auf eine theoretische Unterfütterung des Forschungsdatenmanagements als methodischer Prozess. Ich würde stattdessen gerne noch von einigen tatsächlichen Auswertungen der Datenbank lesen, welche den epistemischen Mehrwert der Datenbank belegen.

Verbesserungsmöglichkeiten / Überarbeitungsvorschläge

Abs. 5: der Datierungszeitraum der Quellen sollte hier erwähnt werden. Abs. 9: Wurden die automatisiert mit Whisper erstellten Transkripts nochmal auf Akkuratheit kontrolliert? Abs. 10: „betroffenen-zentriert“ groß. Abs. 12: wurden die mit OCR lesbar gemachten Quellen validiert mit einer CER? Abs. 16: welche „theoretisch fundierten Strategien“? Abs. 38: wurde evaluiert, wie kohärent die einzelnen Coder im Team die Quellenkritik-Scores umgesetzt haben? Dieser basiert ja auf einem Codebook (in welchem die 8 Evaluationsfragen entwickelt wurden). Abs. 48: wie wurde im konkreten Beispiel dann entschieden? Abs. 56: Bzgl. systemische Praxis der Versetzungen: Das ist ja international bekannte Praxis der Kirche! Vllt eher betonen, dass damit Verantwortliche und Zusammenhänge benannt werden können. Kapitel 4.2: Wichtig wären hier bereits erste quantitative Auswertungen, um den epistemischen Mehrwehrt zu illustrieren! Abs. 57: ist die einzelne digitalisierte Akte auch zugänglich über die Infrastruktur? Abs. 67: Was wurde nicht umgesetzt?